Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 38)
- Language
- German
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126 mußtet Die Sache ist aber sehr naiv. Hatte Pilatus gemerkt, daß die Juden den Tod Jesu wünschten, was konnte da das Anerbieten, sich einen Gefangenen loszubitten, viel nützen? Mochte Barabbas sein, was er wollte, die Juden beschuldigten ja Jesus der Verführung des Volkes zur Preisgabe der väterlichen Religion, und das mußte ihnen jedenfalls als das schlimmste Verbrechen erscheinen. Wer aber war dieser Barabbas? Er hieß, wie Hieronymus bezeugt, in Wahrheit Jesus Barrabban, d. h. Jesus, der Sohn des Rabban. Der Titel Rabban für den Vorsitzenden des höchsten Kollegiums in religiösen Dingen (dessen Stellung und Wesen ist noch nicht genau festgestellt) ist um jene Zeit in Jerusalem aufgekommen. Der erste, der ihn führte, war Rabban Gamaliel, ein Enkelsohn Hillels, dessen Schüler gewesen zu sein sich Paulus rühmte (Apostelgeschichte 22, 3). Auf ihn folgte sein Sohn, Rabban Simon ben Gamaliel, der im Krieg gegen Rom eine große Rolle spielte, da er ein einflußreiches Mitglied des Kriegssynedrions war. Jesus Barrabban kann somit nur der Sohn Rabban Gämaliels gewesen sein (siehe auch Keim a. a. O. S. 374). Nach Matthäus (27, 16) war Barrabban dem Volk wohl bekannt. Markus (16, 7) bezeichnete ihn als einen Mann, der mit anderen Aufständischen zusammen gefangen wurde, nachdem sie Mordtaten (aus politischen Motiven) begangen hatten. Er sagt aber nicht, daß Barabbas selbst eines Mordes beschuldigt worden sei. Ähnlich berichtet auch Lukas (23, 19). Nur Johannes läßt wie gewöhnlich die Zügel seiner Phantasie schießen und erzählt einfach (18, 40), daß Barabbas ein Räuber gewesen sei. Es läßt sich nun denken, daß die Juden in Jerusalem einen so angesehenen Mann, wie den Sohn des Rabban, den Pilatus höchstwahrscheinlich nur zum Zwecke der Erpressung in den Aufrührerprozeß verwickelt hatte, nicht im Stich ließen. Er mußte aus der Hand des Blutmenschen frei gemacht, werden. : Das beste und geeignetste Mittel war natürlich die Bestechung. Sie gaben Pilatus