Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111092-3115386--3534-3115532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mm WWWWW — 125 — begehen, und es bildete sich später die Sage von seinem traurigen Ende. Außer den Sagen bei Matthäus und in der Apostelgeschichte, die einander in wichtigen Punkten widersprechen, bringt Papias um die Mitte des zweiten Jahrhunderts noch eine dritte, die sich von den ersten beiden wesentlich unterscheidet. V. Was mag aber an der Geschichte mit der Bestechung des Pilatus Wahrheit sein? Wenn ein hoher Beamter bestochen wird, um etwas Gesetzwidriges zu tun, so spricht weder er selbst, noch reden jene, die ihn bestochen haben, von der Sache. Man munkelt nur allerlei davon, wobei Dichtung und Wahrheit zusammengeworfen werden. Ich glaube die Lösung des Rätsels im Folgenden zu finden: Alle Evangelisten berichten übereinstimmend, Pilatus habe sich die erdenklichste Mühe gegeben, Jesus zu retten, sei aber an dem blinden und hartnäckigen Haß der Juden mit seinen Bemühungen gescheitert. Die Juden hätten sogar gedroht, Pilatus beim Kaiser zu verklagen, daß er einen Feind des Kaisers ungestraft lassen wollte (Johannes 19, 12). Um aber Jesus doch zu retten, machte Pilatus einen letzten Versuch. Es soll damals Üblich gewesen sein, daß die Juden zum Feiertag einen Verurteilten losbitten konnten (allerdings weiß kein zeitgenössischer Historiker, auch Josephus nicht, etwas davon). Wie Jesus war auch ein gewisser Barabbas verhaftet und zum Tode verurteilt. Pilatus gab nun den Juden die Wahl, sich einen Gefangenen loszubitten; erhoffte,sie würden doch Jesus vorziehen; nach Johannes (18, 39) bot er ihnen ausdrücklich an, Jesus frei zu lassen und nicht den Barabbas. Ewald (a. a. O. S. 750 ff.) ist ganz entzückt von der Klugheit und dem Edelsinn dieses prächtigen Heiden, dessen gute Absicht leider an dem blinden Haß und dem Starrsinn der Juden scheitern