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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 124

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Zur ältesten Geschichte des Christentums
Date
1910-01-01
Page
Seite 124 (sequence 36)
Language
German
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124 Tat, weiß jemand zu sagen, was Judas eigentlich verraten hat. Als Zeuge ist er im Prozeß Jesu nicht aufgetreten. Sollte er der Obrigkeit verraten haben, was Jesus und sein Gefolge im Geheimen taten, so. hätte er doch dann in dem angeblichen Prozeß oder vor Pilatus als Belastungszeuge austreten müssen. Man hat vermutet, Judas habe den Wächtern die Person Jesu durch einen Kuß bezeichnet; es ist dies der berüchtigte „Judaskuß." Aber wozu? Sollte Jesus in Jerusalem, wo er erst vor wenigen Tagen feierlich eingeholt worden war; wo er öffentlich aufgetreten und damit großes Aufsehen erregt hatte; wo er den bekannten Auftritt mit den Geldwechslern im Tempel gehabt hatte: sollte Jesus da so unbekannt gewesen sein, daß man einen Jünger gewinnen mußte, um seiner habhaft zu werden? Die Annahme Grätz' (a. a. O. 304), Judas hätte Jesus zu irgend einer Aeußerung provoziert^ die zwei versteckt gehaltene Zeugen mit angehört und dann vor Gericht bezeugt hätten, ist schon deshalb nicht einleuchtend, weil ja im Prozeß Jesu kein Zeuge eine richtige Aussage machen konnte, sodaß der Gerichtsvorsitzende selbst Jesus eine angeblich gotteslästerliche Aeußerung entlocken mußte. Es wurde schon von vielen Theologen die Ansicht geäußert, daß die Geschichte von dem Verrat des Judas eine in späterer Zeit entstandene Dichtung sei (s. Keim a. a. O. S. 242 Anm. 3), zumal die älteren Quellen, auch die Paulinischen Briefe, von dieser Episode nichts wissen und Judas unter die Apostel zählen. In den Zusätzen zum slavischen Josephustext heißt es, die Juden hätten Pilatus mit dreißig Talenten bestochen, Jesus töten zu lassen. Diese dreißig Talente, jedenfalls eine erkleckliche Summe, um einen Mann wie Pilatus mit ihr zu erkaufen, spukte in den Köpfen der Leute herum, und als später die Tendenz entstand, den Heiden Pilatus reinzuwaschen und die Juden allein als die Feinde Jesu hinzustellen, wurde aus den Juden — Judas, aus den dreißig Talenten, die Pilatus erhalten hatte, dreißig Silberlinge, die dieser Judas als Sündenlohn bekam. Natürlich durfte Judas diese Schandtat nicht ungestraft

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