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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 122

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Zur ältesten Geschichte des Christentums
Date
1910-01-01
Page
Seite 122 (sequence 34)
Language
German
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122 Amt doch wertvoller sein als die winzige Summe. Ewald (a. a. O. S. 632 ff.), der die Aussage des Johannes ernst nimmt, wird dabei gar sein „psychologisch", um den seltsamen Vorgang „menschlich, allzu menschlich" zu erklären. Aber seine Ausführungen lassen uns unbefriedigt. Keim (a. a. O. III, S. 245) meint mit Recht: „Ein Mann, der in der Gemeinschaft Jesu das Opfer der zeitlichen Güter sich auferlegt, der wiederum in der Sorglosigkeit dieses Gemeinschaftslebens und in den Aussichten der Zukunft genügenden Ersatz des Verlorenen genoß, konnte wahrhaftig dem niedrigen Motiv eines Geldgewinns nicht so leicht erliegen; ja, durch die Annahme dieses ordinären Motivs werde nicht er allein über das Maß entwürdigt, sondern auch Jesus, der eine im Grunde so gemeine Seele zu seinem Jünger wählte oder gar einen notorischen Dieb fortwährend als Kassenführer duldete." Renan glaubt diese niederdrückende Empfindung einigermaßen damit abschwächen zu können, daß er annimmt, Judas habe weniger für sich Geld gesucht (denn bei Jesus hätte er ja mehr gefunden), er sei mehr Oekonom als Apostel gewesen; Jesus habe ihm für die Gesellschaft zu viel gekostet. Das ist wiederum eine phantastische Verlegenheitsphrase. Ganz willkürlich ist die Annahme, Judas habe sich im Kreise Jesu zurückgesetzt gefühlt, oder er habe aus Angst vor der zu erwartenden Strafe Verrat geübt; dafür ist kein einziger Anhaltspunkt in der evangelischen Erzählung. Keim kommt (a. a. O. S. 248) zur Annahme, daß zwei Motive mitgewirkt haben müssen, zwischen Jesus und Judas einen Bruch herbeizuführen. „Das Eine war die Enttäuschung durch den Messias, welcher die riesigsten Aussichten geweckt und keine erfüllt hatte, welcher keine Wunder mehr tat, sodaß selbst die Furcht vor seinen Wundern zerging, welcher das Volk nicht zog, die Gegner nicht schlug, welcher sich zurückzog, hier von seinem Tod redete, hier von Leiden seiner Apostel, hier freilich von Aussichten der Zukunft, die wie ein Geklingel von Worten und wie ein Schaum der Träume zergingen am Ernst der Tatsachen. Das andere war der wachsende Respekt vor den immer wieder

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