Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Zur ältesten Geschichte des Christentums
Date
1910-01-01
Page
Seite 121 (sequence 33)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111092-3115386--3530-3115528
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 121 — lausten dafür (für dreißig Silberlinge!) ein Stück Feld, das sie zum Begräbnisplatz für Fremde bestimmten. Dadurch sei in Erfüllung gegangen das Wort des Propheten Jeremia: „Und sie nahmen die dreißig.Silberlinge, den Preis des Geschätzten, den man geschätzt hatte von den Kindern Israel, und gaben sie auf den Töpseracker, wie der Herr mir befohlen hatte." Es hat wohl nicht viel auf sich, daß es bei Sacharja (nicht bei Jeremia) heißt (11, 13): „Und der Herr sprach zu mir: Wirf ihn in die Schatzkammer den herrlichen Preis, den ich ihnen wert war (der Text ist hier etwas dunkel); und ich warf ihn im Gotteshause in die Schatzkammer." Von einem Töpferacker ist hier nicht die Rede. Bei Jeremia (18, 2 ff.) ist die Rede, von einem Töpserhause, aber wiederum nicht von dreißig Silberlingen?) Merkwürdigerweise wird der Verrat des Judas auch in der Apostelgeschichte (1, 16 ff.) erzählt. Aber nach 'der Aussage des Petrus, der es doch genau wissen mußte, hat Judas gar nicht bereut und auch keinen Selbstmord verübt, sondern sich für das Blutgeld einen Acker gekauft; aber eines Tages sei er zusammengestürzt, daß er „mitten durch" barst, und seine Eingeweide ergossen sich zur Erde. Man hat sich mit der Frage abgequält, was wohl Judas zu einer solchen schändlichen Tat veranlaßt haben mochte. Die „dreißig Silberlinge" sind doch gewiß kein so hoher Betrag, um dessentwillen ein Mensch eine solche niedrige Tat begehen kann. Und war Judas gar der Kassenwart der jungen Gemeinde, so durfte ihm dieses *) Dem guten Matthäus ist sein winziges hebräisches Wissen, das er gegen die anderen Evangelisten voraus hatte, zum Verhängnis geworden. Im Buche Sacharja 11,18 ff. heißt es einigemal *"l2£*'n (hajozar) orthographisch für '"li'lXn (haozar), was bei dem Gleichklang dieser Laute leicht Vorkommen konnte. Wie man sich auch das Wort liajozar in diesem Zusammenhänge erklären mag (die Septuaginta schlug die Lesart bäl’n vor), jedenfalls ist von einem Töpfer gar nicht die Rede. Aber da Jeremia in der angeführten Stelle vom ‘ÄkVf'PJTp spricht, so richtete Matthäus dadurch Diese heillose Verwirrung an, über die wir viele „gründliche" theologische Untersuchungen haben und eine Anzahl von gelehrten Dissertationen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.