Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 32)
- Language
- German
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120 — Krieges und den Untergang Judäas zu. Man wird es begreifen, daß sich die besonneneren Elemente alle Mühe gaben, dem Paroxysmus Einhalt zu tun. Es ist nun leicht möglich, daß sich unter den zahlreichen Messiassen auch einer namens Jesus, der Sohn des Josef und der Maria aus Betlehem in Galiläa (nicht in Judäa!), das später Nazareth genannt wurde, befand, den Pilatus aufgreifen und ohne viel Federlesens, wie es in seiner Natur lag, ans Kreuz schlagen ließ. IV. In der evangelischen Erzählung spielt der Verrat des Judas Jskariot in der Verhaftung und Hinrichtung Jesu eine große Rolle. Der ganze Groll und Haß der Christengemeinde richtet sich vorzüglich gegen den Mann, der „einer der zwölf" Apostel war und zum Ende seinen Herrn verriet. Nach Matthäus (26, 14 ff.) hat er sich freiwillig den Hohenpriestern angeboten, ihnen Jesus in die Hände zu liefern, wofür sie ihm „dreißig Silberlinge" (etwa 70 Mark) versprachen. Dasselbe berichtet auch Markus (14, 10—11), nur daß die Höhe des Sündenlohns nicht genau angegeben ist. Lukas (22, 3—6) begnügte sich nicht mit dem Motive der Habgier bei Judas; er meinte, der Mann sei vom Satan besessen gewesen. Nach Johannes (12, 6 u. 13, 29) war Jud'as der Schatzmeister der Jesusgemeinde und wurde an dem gemeinsamen Vermögen zum Dieb. Es war also die Furcht vor Entdeckung der Unterschlagung, die Judas zum Verrat getrieben hat. Matthäus (27, 3 ff.) weiß noch zu erzählen, Judas habe gleich nach der Verhaftung Jesu Reue empfunden; er sei mit dem Geld zu den Synedristen zurückgegangen und habe sein Unrecht eingestanden, was diese Männer sehr kühl ausgenommen hätten. Judas, habe darauf das Geld im Tempel hingeworfen und sei dann nach Hause geeilt, wo er durch Erhängen Selbstmord verübt habe. Die Priester aber wollten das Blutgeld nicht im Tempelschatz behalten, sie