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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 118

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Zur ältesten Geschichte des Christentums
Date
1910-01-01
Page
Seite 118 (sequence 30)
Language
German
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Jedenfalls Paßt die dort gegebene Beschreibung eines Verführers zum Götzendienst (meslt) auf Jesus gewiß nicht, da er doch nicht zum Götzendienst verleiten wollte. III. In den Zusätzen heißt es ferner: nachdem Pilatus Jesus freigelassen hatte, „wurden die Gesetzeslehrer von Neid vergiftet"; sie bestachen Pilatus mit dreißig Talenten, Jesus zu verderben. Der bestechliche Landpfleger tat ihnen den Willen, und sie kreuzigten ihn „gegen das väterliche Gesetz." Die letzte Bemerkung soll wohl nur als Erklärung dafür dienen, wie es kam, daß Jesus, wenn er durch Juden hingerichtet worden sei, den Kreuzigungstod erlitt, da doch bekanntlich diese Hinrichtungsart bei den Juden nicht gestattet war. Natürlich ist es ausgeschlossen, daß die Juden in diesem Fall eine Ausnahme gemacht hätten, da dazu gar kein Grund vorlag. Die Evangelisten zeigen sich alle bemüht, Pilatus reinzuwaschen und die Hinrichtung Jesu nicht der römischen Obrigkeit, sondern lediglich den Juden zur Last zu legen. Die Tendenz ist ja klar. In der Zeit, als die kanonischen Evangelien entstanden sind oder die letzte Redaktion erhalten haben, hatte das Christentum bereits den jüdischen Kreis verlassen, aus dem es hervorgegangen war, um unter den Heiden starke Verbreitung zu finden. Das heidnische Rom wehrte sich bekanntlich mit aller Macht gegen die neue Religion, und namentlich seit Trajan begann die kaiserliche Regierung mit strengen Maßregeln gegen die Christen und auch gegen alle, die man der Hinneigung zum Christentum bezichtigte. Man wollte daher in heidenchristlichen Kreisen immer die Römersreundlichkeit der christlichen Sekte betonen: daß von Anfang an nicht die Römer, sondern die Juden die Feinde Christi waren; nicht Pilatus habe ihn hinrichten lassen, sondern die Juden. Pilatus sei gezwungen gewesen, den Juden den Willen zu tun, nachdem er sich vergebliche

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