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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 116

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Zur ältesten Geschichte des Christentums
Date
1910-01-01
Page
Seite 116 (sequence 28)
Language
German
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116 Jesus wegen eines Vergehens gegen das Judentum oder wegen der von ihm behaupteten Gottessohnschaft verurteilt hätten, hat sich zu einer Zeit gebildet, als in diesen Kreisen nicht mehr so viel Kenntnis vom Judentum vorhanden war, um die gegen Jesus erhobene Anklage richtig zu begründen und zu formulieren. . Es wird berichtet (Matth. 26,59 ff., Mark.14, 55 ff.), daß die Feinde Jesu falsche Zeugen gegen ihn aufgestellt haben. Aber trotz der Feindseligkeit, die im Synedrion gegen ihn herrschte, wurden die Zeugen vorschriftsmäßig eingehend vernommen und zurückgewiesen. Also ganz gewissenlos und mit souveräner Mißachtung aller gesetzlichen Formen ging man doch gegen den Angeklagten, selbst nach dem Bericht der Evangelisten, nicht vor. Dann meldeten sich zwei Zeugen, die bekundeten, Jesus hätte sich dessen gerühmt, er könnte das Heiligtum zerstören mnd es in drei Tagen wieder aufbauen. Der Hohepriester, der den Vorsitz führte, scheint aber dieses alberne Geschwätz ganz unbeachtet gelassen zu haben.(Matth. 26, 61). Denn trotzdem Jesus auf diese Anklage keine Antwort geben wollte, ging der Hohepriester darüber hinweg. Markus bezeugt sogar ausdrücklich, daß die Untersuchung dieses Anklagepunktes dessen Haltlosigkeit ergeben habe (14, 59). Jetzt tritt der Hohepriester mit einer feierlichen Beschwörung (Nachdichtung von Josua 7, 19) des Angeklagten auf, er möge ihnen ehrlich gestehen, ob er der Messias, der Sohn Gottes, sei. Jesus soll darauf geantwortet haben: „Du sagst es; ich aber verkünde euch, daß ihr bald den Menschensohn sehen werdet zur Rechten des Allmächtigen ankommend auf den Himmelswolken." Das fanden die Richter als eine Gotteslästerung, worauf die Verurteilung erfolgte. Aber abgesehen davon, daß darin gar keine Gotteslästerung lag, da die Bezeichnung des Menschen als Kind Gottes in der Bibel häufig vorkommt, und das Ganze in jenen Kreisen erst erdichtet worden sein konnte, als sie sich vom Judentum völlig trennten und Jesus zum Gottessohne im mystisch-religiösen Sinne machten — abgesehen also davon, muß doch bemerkt werden, daß man

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