Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 26)
- Language
- German
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hätten; aber unter den ersten Christen glaubte man dies- Es ist leicht möglich, und ich will dies nachher dartun, daß sich die Führer des Volkes nach der Verhaftung Jesu passiv verhalten haben, aus Furcht, die volkstümliche, Bewegung, die zweifellos einen politischen Hintergrund hatte, könnte von den Römern dem ganzen jüdischen Volk zur Last gelegt werden. Und wenn die Darstellung in den Zusätzen auch auf Wahrheit beruhen sollte, wenn die verantwortlichen Führer der Juden wirklich eine schreckliche Katastrophe hätten abwenden wollen, weshalb sie die revolutionäre Bewegung im Keim zu ersticken bedacht waren? Krugebüh.1 (Das Evangelium der Wahrheit H, 297) meint, daß man das Synedrion „für übermenschlich scharfsinnig" halten müßte, daß es schon in jener Zeit das Unglück vorausgesehen habe, das später über das jüdische Volk infolge der übereilten Freiheitsbewegung hereingebrochen ist. Daraus erwidert Frey (a. a. O. S. 42) sehr richtig, daß dazu kein übermenschlicher Scharfsinn gehörte. „Die Synedristen hätten mit Blindheit geschlagen gewesen sein müssen, wenn sie es nicht erkannt hätten." „Sollten wirklich die klugen Synedristen so töricht gewesen sein, sich der zufriedenen Überzeugung hinzugeben, weiter als jetzt würden die Römer nie gehen und auch im Falle eines Volksaufruhrs oder bei einer anderen passenden Gelegenheit den zurzeit herrschenden Rechtszustand nicht weiter antasten?" Mögen sich also die Synedristen zu dieser gefährlichen Angelegenheit verhalten haben, wie in den Zusätzen angegeben wird, jedenfalls weiß dieser Bericht nichts von dem unmöglichen Prozeß vor dem Synedrion, von dem uns die drei ersten Evangelisten erzählen, während der vierte Evangelist ebenfalls von diesem Prozeß nichts weiß. Man hat bisher stets die sogenannten Synoptiker für im allgemeinen geschichtlich gehalten und deshalb die Schilderung des an hundert Unmöglichkeiten scheiternden Prozesses Jesu als geschichtliche Tatsache hingenommen. Welche Spitzfindigkeit, ich hätte beinahe gesagt, welche