Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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113 H. ■ Noch wichtiger und inhaltsvoller sind die Berichte über Jesus. Vor allem die Erzählung, daß „sie" (d. h. die Unzufriedenen, die das drückende Joch der Römerherrschaft abschütteln wollten) Jesus aufgefordert haben, den Kampf gegen das römische Regiment aufzunehmen, was Jesus allerdings abgelehnt haben soll. Es wurde ^darauf in judenchristlichen Kreisen, d. h. unter den ersten Anhängern Jesu, erzählt, die verantwortlichen Führer der Juden hätten gefürchtet, der römische Statthalter Pilatus könnte davon erfahren und dies seiner Gewohnheit nach zu neuen Drangsalen und Erpressungen gegen die Juden benutzen. Sie hätten sich deshalb beellt, die Sache selbst dem Pilatus vorzutragen, der Jesus verhaften und vernehmen ließ, ihn aber dann freigab. Von dem ganzen gegen Jesus geführten Kampf mit allen seinen häßlichen und heimtückischen Einzelheiten, in deren Aufzählung die, Evangelisten förmlich schwelgen, weiß die älteste und allein wahrscheinlich klingende Erzählung kein Wort. Daß diese Darstellung der Wahrheit entspricht, geht auch aus dem Bericht im vierten Evangelium hervor, worauf Berendts (a. a. O. S. 43 ff.) treffend hinweist. Johannes, der freilich die Dinge phantastisch, vorzutragen liebt, berichtet von der Synedrialsitzung, die sich mit der Angelegenheit Jesu beschäftigt hat, daß die Mitglieder des Synedrions besorgt gefragt hätten: „Was sollen wir nun machen? Dieser Mann verrichtet viele Wundertaten,^ und wenn wir ihn gewähren lassen, so glauben an ihn alle, und die Römer kommen dann und entreißen uns unser Land und unser Volk." Darauf sprach der Hohepriester Kaiphas den Gedanken aus, man müsse in einem solchem Fall lieber ein en Mann opfern, als das ganze Volk zugrunde gehen lassen (11, 47 ff.). In den Zusätzen kehrt dieser Gedanke wieder, nur ohne den dichterischen Aufputz, durch den sich das vierte Evangelium überhaupt aüszeichnet. Es muß nicht durchaus wahr sein, daß sich die Dinge gerade so abgespielt ■*' ■ 8