Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 24)
- Language
- German
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— 112 — . , Vielmehr taufte sich Jesus selbst, als Johannes bereits ins Gefängnis geworfen war (3, 18—22). Wir erfahren aber aus den Zusätzen im slavischen Josephustext, daß Johannes viel älter war als Jesus. Etwa fünfundzwanzig Jahre vor dem Auftreten Jesu erregte bereits Johannes ~ durch sein Wirken das Mißtrauen des Archelaus. Johannes wirkte ein ganzes Meuschenalter hindurch, bis ihn der Tetrarch Herodes Antipas hiurichten ließ. Die in den Evangelien (Matth. 14, 3 ff; Mark. 6,17ff; Luk. 3, 19) erzählte Verhaftung des Johannes wegen der Bezichtigung des Tetrarchen in der Angelegenheit seiner unerlaubten Ehe mit Herodias, wird auch in den Zusätzen berichtet, und auch da mit demselben Irrtum, als ob Herodes Philippus, der erste Manu der'Salome und Schwiegersohn der Herodias, der erste Gatte der Horodias gewesen'wäre. Die unmögliche Anekdote mit dem Tanz der Salome (die damals gar kein „Mägdelein" mehr war, sondern mit Philippus bereits verheiratet, vielleicht sogar schon Witwe), von der auch Lukas nichts weiß, kommt in den Zusätzen nicht vor. Sehen wir von ' zwei kleinen Jrrtümern ab (daß der . erste Gatte der Herodias Philippus hieß, und daß die spätere Gattin des Antipas aus ihrer ersten Ehe vier Kinder hatte, während es in Wahrheit nur die Tochter Salome war), die einem judeuchristlichen, wahrscheinlich vom armen Volk stammenden Schreiber wohl unterlaufen durfte», so erscheint uns diese Episode erst jetzt erklärlich. Herodias hatte nicht ihren Schwager bei Lebzeiten ihres ersten Gatten geheiratet, wie allgemein irrtümlich angenommen wird (Grütz a. a. O S. 316, 2. Amn.)> sondern erst als Witwe (dies geht auch aus Jos. Alt. XVJLLL, 5, 4 hervor). Die Ehe war insofern „gegen das väterliche Gesetz", als ja Herodes Boöthus eine Tochter hinterließ; es war somit einr biblisch (vielleicht nur nach der pharisäischen Auffassung) unerlaubte Schwagerehe, die ihnen von vielen verargt wurde. In deit Zusätzen wird das deutlich, hervorgehoben.