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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 111

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Zur ältesten Geschichte des Christentums
Date
1910-01-01
Page
Seite 111 (sequence 23)
Language
German
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111 entgegen dem klaren Sinne der Jesajanischen Worte, für das Christentum benutzten. Das setzt auch voraus, daß Johannes älter war als Jesus. Die Spuren dieses Verhältnisses ganz verwischen konnten oder wölkten die Evangelisten nicht; aber sie waren bemüht, Jesus, den Gottessohn, völlig unabhängig von Johannes zu machen, was sie verschiedenartig zum Ausdruck brachten. Johannes hatte Jesus noch garnicht gekannt, als er den Pharisäern und Sadduzäern, die zu ihm gekommen waren, zurief: „Ich taufe euch im Wasser zur Buße; der aber, der nach mir kommt, wird stärker sein als ich, daß ich zu gering bin, ihm die Schuhe nachzutragen; er wird euch taufen im heiligen Geist und im Feuer." Als Jesus dann zu Johannes kam, sich von ihm taufen zu lassen, weigerte sich Johannes zuerst, die Taufe an Jesus zu vollziehen; er sei dessen nicht würdig. Jesus aber bestand darauf, weil es sich so gezieme (Matth. 3, 1—17). Dasselbe wiederholte sich später, als Johannes bereits im Gefängnis war, wo er von den Wundertaten Jesu hörte (11, 2—19). Auch Markus schildert die Vorgänge in dieser Weise (1, 2 ff). Der dritte Evangelist, Lukas, konnte sich damit nicht abfinden, weshalb er noch viel weiter ging; er machte Johannes zum Altersgenossen Jesu, was der Darstellung dev beiden ersten Evangelisten widerspricht. Lukas hat zweifellos die Schriften des Josephus gekannt, und die Einleitung und Widmung zu seinem Evangelium hat er den späteren Werken des jüdischen Geschichtsschreibers abgeguckt. Ihnen entnahm er Verschiedenes, was er in seiner Erzählung passend verwertete. Er läßt Johannes von dem Hohenpriester Sacharja abstammen sdie hohepriesterliche Würde geht aus Lukas 1, 10 und 21 hervor, was aber Lukas selbst nicht richtig verstanden hat; vergl. 1, 9). Seine wunderbare Geburt, die mit der des Propheten Samuel große Aehnlichkeit hat, fällt etwa sechs Monate vor der Geburt Jesu (1, 26 und 36). Auch nach Lukas lehnte es Johannes ab, der erwartete Messias zu sein, indem er auf den „Stärkeren" hinwies, der nach ihm kommen würde. Jesus, der Altersgenosse des Johannes, wird auch nicht mehr durch diesen getauft,

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