Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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110 erhalten hatten. Die Zusätze widersprechen den kanonischen Erzählungen in den wichtigsten Punkten, was freilich nicht viel auf sich hat, da die Evangelien selbst einander schroff widersprechen. Sie zeigen uns aber das Christentum in einem früheren, ursprünglicheren Stadium; die ganze Christologie ist noch unfertig und erst in der Entwickelung begriffen. So konnten nur Judenchristen denken und schreiben, bevor das Paulinische Christentum eine solche Macht gewonnen hatte, deren Einfluß wir in der Umarbeitung des Evangeliums Matthäus erblicken. So wie die evangelische Erzählung in den slavischen Zusätzen mag das Evangelium Matthäus in seiner ersten Fassung gelautet haben. Die Ansicht Frey's kann man daher mit einigen Einschränkungen annehmen, wobei es nicht viel darauf ankommt, ob wir die Abfassungszeit der Zusätze etwas tiefer, ungefähr gegen Ende des ersten oder Anfang des zweiten Jahrhunderts herabsetzen. Sehen wir nun, was uns die evangelische Erzählung in ihrer ursprünglichen Fassung lehrt. I. Aus der Erzählung der kanonischen Evangelien geht unzweifelhaft hervor, daß Johannes der Vorläufer Jesu war, sodaß der Gedanke naheliegt, daß Jesus aus dem Johannöischen Kreis hervorgegangen ist. Die evangelische Erzählung wendet auf dieses Verhältnis Johannes' zu Jesu den Bibelvers Maleachi 3, 1 an, allerdings nur in einer unrichtigen Anführung*); Markus widerfährt sogar der kleine Unfall, daß er den in Rede stehenden Vers erstens falsch zitert und ihn obendrein gar Jesaja zuschreibt (Markus 1, 2). Das letzte kam davon, daß die Evangelisten die prophetischen Reden Jesajas fleißig gelesen hatten und die Idee der „Heilshoffnung", freilich *) In Maleachi 3, 1 heißt es: Ich schicke meinen Boten, und er wird mir den Weg bahnen. Matth. 11, 10 und Markus 1, 2 haben in Bezug auf Johannes: „Ich schicke meinen Boten vor d ir, und er wird dir den Weg bahnen."