Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 21)
- Language
- German
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— 109 — da bereits den kühnen Gedanken, daß in Jesus sich Gott selbst für eine bestimmte Zeit verkörpert hätte, womit der Glaube an die Auferstehung Jesu nach dem Tode zu erklären versucht wird. Die Aeußerungen in den Zusätzen sind naiver und nicht so herausfordernd wie in der evangelischen Erzählung; aber einem Juden können sie gewiß nicht in den Mund gelegt werden. Wir wollen nun die Ansicht, die hauptsächlich von Frey (a. a. O. S. 35) vertreten wird, untersuchen — daß nämlich die Zusätze wohl nicht von Josephus selbst herrühren, aber von einem Juden, und zwar alle von einer Hand (bis auf wenige Interpolationen); daß sie ferner so alt seien wie die Geschichte des jüdischen Krieges selbst, d. h daß sie aus dem letzten Viertel des ersten Jahrhunderts stammen. Bei dieser Untersuchung möchte ich vorerst darauf aufmerksam machen (was bis jetzt nicht beachtet worden ist), daß die Zusätze ursprünglich hebräisch geschrieben waren. Dies leuchtet noch aus der Uebersetzung deutlich hervor, und manche Undeutlichkeiten im slavischen Text lassen sich sehr gut aus der schwankenden und mehrsinnigen Bedeutung verschiedener hebräischer Worte erklären. Ich lasse es dabei dahingestellt sein, ob wir im slavischen Text eine unmittelbare Uebersetzung aus dem Hebräischen haben, oder eine aus dem Griechischen, die ihrerseits aus dem hebräischen Original geflossen ist. Jedenfalls ist die ursprünglich hebräische Fassung unverkennbar. Ich habe dies bei manchen Stellen vermerkt, aber zweifellos läßt sich dies am Ganzen Nachweisen. Gehen wir von dieser Voraussetzung aus, so erscheint es leichter, den Kreis zu bestimmen, in dem diese evangelische Erzählung entstanden ist. Ein Jude kann nicht einmal den Bericht über das Auftreten Johannes' geschrieben haben, es sei denn, daß wir wiederum eine spätere Interpolation annehmen wollten — wohl aber ein Judenchrist in ziemlich früher Zeit, bevor die kanonischen Evangelien in der uns vorliegenden Form endgiltig redigiert waren und ihr kanonisches Ansehen