Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 20)
- Language
- German
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Krieges. Josephus kann unmöglich Johannes als „den Vorläufer" bezeichnet Haben; das setzt eine ziemlich weitgehende Entwickelung der christlichen Lehre voraus, die zu Josephus Zeiten noch nicht so weit gediehen war, und am allerwenigsten hat Josephus solchen Glauben an Jesus gehegt, daß er Johannes gläubig als dessen „Vorläufer" bezeichnet hätte. Dazu finden wir im zweiten Bericht über das Auftreten des Johannes und dessen Ende dieselben geschichtlichen Schnitzer wie in der evange-' lischen Erzählung, was noch dazu mit Josephus' eigenen Worten an anderer Stelle. stark in Widerspruch steht. Aus Josephus (Alt. XVIII, 5, 4) wissen wir, daß der erste Mann der Herodias nicht Herodes Philippus, der Tetrach Don Trachonitis, war, sondern Herodes Bosthus, dem der Vater zuerst die Nachfolge in Judäa zugedacht hatte, aber ihn später enterbte. Hingegen ist Herodes Philippus (der erste Mann der Salome und nicht ihr Vater) kinderlos gestorben, nicht, wie es in den Zusätzen heißt, mit Hinterlassung von vier Kindern. Die Annahme, Josephus hätte diese Einzelheiten zuerst nicht genau gekannt und deshalb hier falsch berichtet, seinen Irrtum aber später in den Altertümern richtig gestellt (Berendts S. 58 f.), braucht kaum erst widerlegt' zu werden. Josephus war mit vielen Mitgliedern der Familie Herodes, namentlich mit Agrippa II., einem Neffen der Herodias, befreundet und mußte die Verhältnisse dieser Familie genau gekannt haben. Daß Philippus kinderlos geblieben ist, infolgedessen sein Gebiet zur Provinz Syrien geschlagen wurde, eine solche wichtige geschichtliche Tatsache konnte Josephus unmöglich, während er die hebräische Geschichte des jüdischen Krieges schrieb, unbekannt gewesen sein. Die Äußerungen über Jesus können aus inneren Gründen nicht von Josephus stammen. Zwar atmen sie nicht den starken Haß gegen die Gesetzeslehrer und die offiziellen Vertreter des Judentums, von dem die evangelische Erzählung beherrscht ist. Aber sie setzen doch den Glauben an die Messianität Jesu voraus und nähern sich sogar dem erst später entwickelten Gedanken von der übermenschlichen Natur Jesu. Ja, wir finden