Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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107 An dieser Stelle wird zum erstenmal Jesus ausdrücklich genannt, falls der Name nicht einfach durch den Übersetzer in den Text hineingekommen ist. Ehe wir daran gehen, den geschichtlichen Wert dieser Zusätze zu beleuchten, wollen wir zuerst die Frage ihrer Autorschaft und des Zeitpunktes ihrer Abfassung erörtern. Berendts suchte mit vielem Scharfsinn seine Ansicht zu erhärten, daß die Zusätzewenigstens das Wesentliche von ihnen bis auf einige kleine Interpolationen, von Josephus selbst herrühren. Sie fehlen wohl in unserem griechischen Text und in den älteren aus dem griechischen Original geschöpften Übersetzungen, seien jedoch aus der hebräischen oder aramäischen Geschichte des jüdischen Krieges übernommen worden, die Josephus, wie er im Vorwort zu der griechischen Ausgabe ausdrücklich angibt, vor dieser in seiner Muttersprache geschrieben hat. Daß die griechische Ausgabe keine einfache Übersetzung der ersten war, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Es ist somit nicht ausgeschlossen, daß tatsächlich in der hebräischen Geschichte Dinge gestanden haben, die Josephus in der griechischen Ausgabe wegzulassen für gut befand. Nach der Meinung Berendts' habe Josephus die in Rede stehenden Abschnitte den griechisch-römischen Lesern der griechischen Ausgabe seines Geschichtswerkes vorenthalten, weil er ihnen solche Dinge nicht habe mitteilen wollen. Indessen hat Johannes Frey*) zweifellos recht, wenn er die Meinung Berendts' bekämpft und die Zusätze zum slavischen Josephustext nicht für von Josephus selbst herrührend hält. Was sich gegen die Echtheit der in den Altertümen vorhandenen Stellen über Johannes und Jesus sagen läßt, paßt im allgemeinen auch bezüglich der Zusätze im slavischen Josephustext des Jüd. *) Johannes Frey, Die Probleme der Leidensgeschichte Jesu (Leipzig 1907) Teil I, ein Buch, das sich durch gründliche und vorurteilslose Forschung auszeichnet.