Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 10)
- Language
- German
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98 lich, aber sagenhaft zu erzählen: Jakobus wurde zuerst auf die Zinne des Tempels geführt und von da hinabgestürzt, dann gesteinigt und zuletzt noch von einem Walker mit seinem Walkholz totgeschlagen. Gründlicher kann wohl niemand totgemacht werden. Es verdient noch hervorgehoben zu werden, daß der Hohepriester Anan II., dem in jenen Kreisen (wahrscheinlich bloß auf grund dieser Notiz bei Josephus) so viele Schandtaten nachgesagt wurden, und der sogar in der Apostelgeschichte zum Meuchelmörder gestempelt wird, von Josephus wohl als heftig und streng bezeichnet wird; aber es ist keineswegs bezeugt, daß er „Unschuldige" zum Tode habe verurteilen lassen (Grätz a. a. O. S. 443). Wie hätte er dies auch tun können? Die Todesurteile wurden ja, wie Josephus ausdrücklich sagt, vom Synedrion gefällt, und das oberste Gericht wird doch nicht, um dem Hohenpriester zum Gefallen zu handeln, Unschuldige verurteilt und hingerichtet haben? Anan war Sadduzäer und verfügte im obersten Gerichtshof über eine sadduzäische Mehrheit, und da die sadduzäische Richtung bekanntlich in der Strafrechtspstege rigoroser war als die pharisäische, so erfolgten damals Todesurteile, die nach der pharisäischen Auffassung nicht gerechtfertigt erschienen. Sonst schildert derselbe Josephus diesen Hohenpriester, der später an der Spitze der Regierung während des Krieges gegen Rom gestanden hat und vom Pöbel ermordet worden ist, als einen edlen und gerechten Mann. „Anan war nämlich nicht nur ein ehrwürdiger und höchst rechtschaffener Mann, sondern liebte es auch trotz der hohen Stellung, die ihm seine Geburt, sein Amt und Ansehen gaben, mit Jedermann, auch mit den niedrigsten Leuten, auf gleichem Fuße zu verkehren . . . stets setzte er den eigenen Vorteil dem Gemeinwohl nach " (Jüd. Krieg IV, 5, 2). Dieses Urteil fällte Josephus über den ihm persönlich nicht freundlich gesinnten Anan (Vita 39) in dem Buch, das er unmittelbar nach den Ereignissen geschrieben hat. In seiner Selbstbiographie (a. a. O.) beklagt sich Josephus über Anan und seine Freunde im Synedrion, daß sie sich von seinem Gegner Simon b.