Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 11)
- Language
- German
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99 Gamaliel gewinnen ließen (der Ausdruck „bestechen" ist im Arger gewählt und gewiß unzutreffend), ihn aus Galiläa zu entfernen. Wir haben nun gesehen, welche Bewandtnis es mit den „Zeugnissen" des Josephus über die Persönlichkeit Jesu und die Anfänge des Christentums hat. Wer aber noch darüber im Zweifel sein möchte, daß christliche Schriftsteller die geschichtlichen Werke des Josephus dazu benutzt haben, an ihnen passend erscheinenden Stellen solche Zeugnisse unterzubringen, der könnte sich davon überzeugen durch die Zusätze zum „Jüdischen Krieg", die vor etwa drei Jahren bekannt wurden. A. Berendts*) macht auf solche Zusätze aufmerksam, die uns aus keiner Handschrift und keiner anderen Übersetzung des „Jüdischen Krieges" bekannt sind; auch werden sie von keinem der älteren christlichen Schriftsteller zitierst Die slavische Übersetzung des „Jüdischen Krieges" aber, die sich in Rußland handschriftlich in mehreren Exemplaren befindet, war in den Kreisen der russischen Altertumsforscher schon früher bekannt, ohne daß sie, namentlich im Westen, die genügende Beachtung gefunden hatte. Im Anschluß an Josephus Bericht über den falschen Alexander (Jüd. Krieg II, 7, 2) findet sich im slavischen Josephus folgende Erzählung vom Täufer Johannes (nach der Moskauer Handschrift Nr 651): „Damals aber wandelte ein Mann unter den Juden in absonderlichen Gewändern, indem er Rindsfelle an seinem Körper angelegt (wörtlich: angeklebt — das hebräische „zamud“) hatte, überall da, wo. der Körper nicht von seinem Haar bedeckt war. Aber dem Gesichte nach war er einem Wilden gleich. Dieser kam zu den Juden und ries sie zur Freiheit aus, sagend: „Gott hat mich gesandt, daß ich euch zeige den Weg des Gesetzes, auf dem ihr euch befreien werdet von vielen Gewalthabern. Und es wird nicht über euch herrschend sein ein Sterblicher, nur der Höchste, der mich gesandt hat". *) Die Zeugnisse vom Christentum im slavischen „de bello judaico“ des Josephus, Leipzig 1906. 7*