Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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t - — 95 — Unechtheit dieses Berichtes, wollen wir von der Meinung der älteren Theologen, die kritiklos alles gelten ließen, -ganz absehen. Von den neueren Forschern haben manche die Ansicht vertreten, daß die Stelle, so wie sie uns jetzt vorliegt, wohl unmöglich von Josephus herrühren könne; sie sei aber nicht gänzlich gefälscht, sondern bloß von christlicher Seite in eine andere Fassung gebracht worden. Es wird zugegeben, daß Josephus unmöglich gesagt haben konnte: „Jesus, ein Weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf." Ebenso wenig können von ihm die Worte gebraucht sein: „Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und derLehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen"; „er war der Christus", „und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu, denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere Dinge von ihm vorher verkündigt haben." Wenn man alle diese Worte, die Josephus unmöglich geschrieben haben konnte, wegstreicht, was bleibt dann vom ganzen übrig? Man müßte eben nur zu der Annahme gelangen, es habe hier etwas Ungünstiges über Jesus gestanden, was von christlicher Seite in das Gegenteil umgewandelt worden sei. Hätten wir eine solche Äußerung über Jesus, so wäre wenigstens die Geschichtlichkeit seiner Person gesichert. Aber dies kann ja nur eine Vermutung sein, und alles spricht dafür, daß durch den Bericht über Jesus die geschichtliche Erzählung bei Josephus aus dem Zusammenhang gerissen ist. Man hat nämlich nicht genügend beachtet, daß Josephus zuvor (3, 2) von dem rücksichtslosen Vorgehen des Landpflegers Pilatus gegen die Juden in Jerusalem erzählt; dieser hatte einen Volksaufstand provoziert, um ihn dann mit der größten Grausamkeit zu unterdrücken. Dann fährt Josephus in seiner Erzählung fort (3, 4): „Gleichfalls um diese Zeit traf noch ein anderes Unglück die Juden . . . . " Der Geschichtsschreiber schildert dann das Auftreten verschie-