Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Zur ältesten Geschichte des Christentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
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93 Von Jesus erzählt Josephus im Anschluß an seinen Bericht über einen in Jerusalem zur Zeit des Landpflegers Pontius Pilatus stattgehabten Aufstand und dessen Unterdrückung, nach dem Text unserer Ausgabt (das. 3, 3) folgendes: „Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus (d. h der Messias). Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestode verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebendig, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorher verkündet hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen." Jesus wird in Josephus' Altertümern nach unserer Ausgabe noch einmal (XX, 9, 1) kurz erwähnt. Nach dem Tode des Laudpflegers Festus wurde Albinus sein Nachfolger. In der Zwischenzeit, bis der neue Landpfleger in Judäa anlangte, führte der Hohepriester Anan II. in Jerusalem das Regiment.^ Ein Mann von großer Strenge und Härte, benutzte er die Gelegenheit und stellte vor Gericht verschiedene Gesetzesübertreter und auch „den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, namens Jakobus", und ließ sie zum Tode verurteilen und steinigen. Der Bericht des Joseph us über Johannes' Verhaftung und Hinrichtung in der Festung Machärus, der allerdings mit der evangelischen Erzählung (Matth. 14, 3 ff; Mark. 6, 17 ff; Lukas 3, 19) in Widerspruch steht, wurde von manchen Forschern als unecht bezeichnet; so von I. Chr. Hofmann (Der Brief Jakobi S. 4), Grätz (Geschichte der Juden 3. Bd. 4. Aufl S. 278) und in neuester Zeit auch von Schürer (Gesch. des jüdischen Volkes, 4. Aufl. I. 438). Man braucht kein besonderes Gewicht auf den