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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 92

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Zur ältesten Geschichte des Christentums
Date
1910-01-01
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 hätte das Christentum absichtlich „totgeschwiegen". Ein rechter Grund dafür ist schwer zu finden; eher hätte man erwartet, daß dieser Historiker, wenn das Christentum in der Zeit, in der er seinen „Jüdischen Krieg" geschrieben hat (etwa um die Zeit 75—79 n. Chr.), bereits zu irgend einer Bedeutung gelangt wäre, für oder gegen diese merkwürdige Bewegung Stellung genommen hätte. In dem zweiten großen Geschichtswerk des Josephus finden wir in der Tat drei Stellen, die sich mit dem Täufer Johannes oder mit Jesus beschäftigen. Wer Johannes berichtet er (Alt. XVIII, 5, 2). „Manche Juden glaubten übrigens, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei dem Zorn Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung des Täufers Johannes die gerechte Strafe gefordert .habe. Diesen nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegen einander Und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen. Dann werde, verkündete er, die Taufe Gott angenehm sein, weil sie die Taufe nur zur Heiligung der Leiber, nicht aber zur Sühne für ihre Sünden anwendeten; die Seele nämlich sei dann ja schon vorher durch ein gerechtes Leben entsündigt. Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen des Mannes,, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben; er hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen, als beim Eintritt der Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und dies dann zu bereuen, wenn es zu spät sein würde. Auf diesen Verdacht hin ließ also Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machärus bringen, die ich oben erwähnt habe, und dort hinrichten. Sein Tod war, wie gesagt, nach der Überzeugung der Juden die Ursache für die Vernichtung des Heeres, da Gott in seinem Zorn diese Strafe über den Tetrarchen verhängt habe."

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