Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Esra
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 14)
- Language
- German
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81 Gelegenheit, ihren Rachedurst zu stillen. Sie rückten mit einer kriegerischen Schaar gegen Jerusalem, machten Breschen in die Mauern, zerstörten ihre Holztore und viele Häuser der Stadt durch Feuer und zwangen so die Bewohner, entweder die schutzlos gewordene Stadt zu verlassen und irgend anderswo ein Unterkommen zu suchen oder den von Esra erlassenen Befehlen zum Trotz die früheren verwandtschaftlichen Beziehungen wieder aufzunehmen. Es ist nicht gut denkbar, daß sich die Juden dieser Alternative so ohne weiteres gefügt haben, aber immerhin dauerten die Streitigkeiten volle dreizehn Jahre und hatten zur Folge, daß eine große Anzahl Judäer, der anhaltenden Reibereien müde, die verstoßenen fremden Frauen wieder ins Haus nahmen oder von neuem sich mit solchen verheirateten. — Esras Werk schien nun vereitelt und der Fortbestand des seit kaum einem Jahrhundert wieder organisierten Gemeinwesens ernstlich gefährdet. — Was Esra in dieser Zeit getan? wo er sich aufgehalten hat? darüber gibt der fragmentarische Bericht der heiligen Schrift keinen Aufschluß. Es dürfte aber nicht ausgeschlossen sein, daß Esra inzwischen, von einigen Gesinnungsgenossen begleitet, nach Persien geeilt war, um seinen Freund Nehemia, der sich der besonderen Gunst des Königs Artaxerxes zu erfreuen hatte, zum Aufbruch nach Jerusalem zu bewegen und dann gemeinsam mit ihm sein begonnenes, aber so jäh unterbrochenes Werk von neuem aufzunehmen und zu Ende zu führen. Tatsächlich beginnt Esras eigentliche Wirksamkeit erst nach der Ankunft Nehemias in Palästina, der, von Artaxerxes zum Stadthalter von Judäa ernannt, geordnete Zustände in Jerusalem und im Lande wieder herstellte, die Samaritaner samt ihren Verbündeten mit Erfolg bekämpfte und Esra in seinen reformatorischen Bestrebungen in jeder Beziehung unterstützte. — Esra war kein Prophet, und obwohl er aus dem Hause Aaron stammte, auch kein Priester im eigentlichen Sinne des Wortes, wenigstens trat er nicht als solcher auf, sondern nur als Schriftkundiger und Gesetzeslehrer, dessen eifriges 6