Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Esra
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 13)
- Language
- German
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80 tum und Heldentum das schwache, winzige Juda davor beschützt hätte, sich in dem Gewühle der ganz und halb heidnischen Anschauungen seiner Umgebung zu verlieren ' und seine Reinheit, seine geistigen und sittlichen Ideale und Errungenschaften einzubüßen. Indessen scheint Esra die Hindernisse, die sich der Ausführung seiner Anordnungen entgegenstellten, nicht verkannt zu haben. Er verhehlte sich nicht, daß geschlossene Lebensbündnisse nicht ohne große Schwierigkeiten gelöst werden können, und daß liebgewordene Gewohnheiten den Menschen beherrschen, auch wenn er von deren Schädlichkeit vollauf überzeugt und sich von ihnen frei zu machen ernstlich bemüht ist. Esra setzte daher in allen Landstädten Judäus ordentliche Gerichtshöfe ein, wählte selbst die Mitglieder derselben und gab ihnen die strenge Weisung, sowohl die Lösung der Mischehen als auch die Ausschließung aller heidnischen Elemente aus der jüdischen Volksgemeinschaft nach und nach zur Ausführung zubringen. Noch aber war das von Esra verfolgte Ziel in weiter Ferne. Die breiten Schichten der Landbevölkerung, denen die Kenntnis des mosaischen Gesetzes, auf welches Esra sich berief, vollständig abging, waren nicht so willfährig wie die Bewohner Jerusalems, sich so ohne weiteres in seine Anordnungen zu fügen. Sie hielten die von ihm getroffenen Maßnahmen für ein willkürliches Eingreifen in ihre persönliche Freiheit, für eine Störung des bisherigen guten Einvernehmens zwischen ihnen und den nichtjüdischen Bewohnern des Landes und der angrenzenden Gebiete. Sie leisteten ihm daher großen Widerstand und bereinigten sich schließlich mit den Samaritanern und den anderen Halbproselyten, die über die ihnen angetane Schmach der Ausschließung aus der jüdischen Gemeinschaft im hohen Grade erbittert waren. Es kam nun zu offener Feindschaft, und als bald darauf Megabyzus, der Satrap von Syrien, dem Judäa und Samaria unterstanden, sich gegen die persische Herrschaft auflehnte und wiederholt das persische Heer schlug, benutzten die Feinde Esras, die ihn bisher als Schützling des Königs Artaxerxes fürchteten, die für sie günstige