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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 79

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Esra
Date
1910-01-01
Page
Seite 79 (sequence 12)
Language
German
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79 Schuld vor dem Ewigen, dem Gotte eurer Väter, tut nun seinen Willen und sondert euch ab von den sittenlosen, heidnischen Völkern des Landes und den euch umgebenden Fremden, und trennt euch von den fremden Weibern." Und die ganze Versammlung, von dem Ernst des Augenblicks tiefergriffen, antwortete wie ein Mann, mit lauter Stimme: Du hast Recht, wir haben schwer gesündigt, und unsere Pflicht ist es nun, nach deinen Worten zu verfahren?) Dieser Moment war für die Zukunft des jüdischen Volkes entscheidend. Israel sollte seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß ein Gottesvolk, der Träger und Verkünder der ewigen Gotteswahrheiten sein und durfte deswegen keine innige Gemeinschaft mit Völkern haben, die dem Götzendienst und der Lasterhaftigkeit fröhnten. Man mag über Esra und seine Auslegung des mosaischen Fremdengesetzes denken wie man will, man mag ihn für einen fanatischen Eiferer halten und die von ihm getroffenen Maßnahmen als egoistische bezeichnen, aber das eine ist sicher: er war in seiner ganzen Wirksamkeit nicht von Haß gegen die Heidenwelt, sondern von inniger Liebe zu Israel geleitet. Vom Geiste der ihm vorangegangenen Propheten getragen, sah er in der Uebertretung des Gesetzes, in der Anschmiegung und Anlehnung an die heidnische Umgebung nicht nur die Quelle aller Leiden des jüdischen Volkes in der Gegenwart und eine große Gefahr für dessen nationalen Fortbestand in der Zukunft, sondern auch das Hindernis der reingeistigen Entwicklung Israels zum Heile der Menschheit, den Untergang seiner Lehre, die das Gemeingut aller Völker werden sollte. Wer weiß, ob das jüdische Volk später neben einem Hillel und den sonstigen hervorragenden Geisteshelden auch Männer wie Jesus und die Apostel, die einen großen Teil der Menschheit den Heilswahrheiten Israels nähergeführt haben, zu verzeichnen gehabt hätte, wenn nicht Esra durch seine scheinbare Strenge, durch die Errichtung einer sogenannten Scheidewand zwischen Juden- >) Jbid 10, 7—12.

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