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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 77

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Esra
Date
1910-01-01
Page
Seite 77 (sequence 10)
Language
German
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77 bemächtigten sich seiner. Nicht minder betrübte und empörte ihn die Verschwägerung der jüdischen Patrizier mit den Samaritanern, obschon diese sich als judäische Proselyten gebärdeten. „Esra leitete", wie Grätz sehr treffend bemerkt, „ein dunkeles Gefühl — das in jener Zeit Wohl seine Berechtigung hatte — daß die Aufnahme zahlreicher Profelyten oder Halb-Proselyten, welche nicht den Läuterungsprozeß durchgemacht haben gleich den Nachkommen Abrahams, nicht in dem „Schmelzofen des Elends" geprüft wurden, in die innigste Lebensgemeinschaft dem fremden Elemente das Uebergewicht geben und die sittlich-religiösen Errungenschaften zerstören könnte. Diese, man kann nicht sagen übertriebene Befürchtung, hatte fein ganzes Wesen ergriffen. x)" Im Schmerze über die wahrgenommenen traurigen Tatsachen zerriß er seine Kleider, fastete und kasteiete sich und begab sich dann, von einer großen Volksmenge begleitet, in den Vorhof des Tempels, wo er auf den Knieen liegend ein erschütterndes Sündenbekenntnis im Namen des Volkes ablegte. „Mein Gott" — sprach er — „ich schäme mich und erröte, inein Angesicht vor dir blicken zu lassen, denn unsere Missetaten sind uns über denKops gewachsen, und unsere Schuld ist in den Himmel gestiegen"^). Er gedachte dann der Sünden der Väter, ihrer fortwährenden Widerspenstigkeit und ihres fortgesetzten Ungehorsams gegen Gott und seine Propheten und erinnerte mit beredten Worten an die fürchterlichen und schmachvollen Leiden der Gefangenschaft und der Verbannung, die der Allmächtige in seinem gerechten Zorn über das sündige Volk, seine Könige und seine Priester hereinbrechen ließ' „Und nun" — fuhr er fort — „nachdem Gott in seiner unendlichen Gnade dem Ueberreste des Volkes die Gunst der persischen Könige hat zuwenden lassen, sollen wir wieder seine Gebote übertreten, indem wir uns mit den heidnischen Völkern des Landes verschwägern? Wirst du, o Gott, nicht über uns zürnen, uns verwerfen und aus- 1) Grätz, Bd. II, 2, S. 131. 2) Esra 9, 6.

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