Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Esra
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 9)
- Language
- German
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76 Monaten weniger elf Tage zurück*). Nach der Ankunft in Jerusalem ruhten sie sich drei Tage von den Strapazen der Reise aus, und am vierten Tage erfolgte die Übergabe der mitgebrachten Geschenke an eine Kommission von zwei Priestern und zwei Leviten. Diese wogen und zählten beim Empfang die Gegenstände genau ab, stellten die Richtigkeit der Zahl und Gewichte durch Vergleich mit dem in Ahava angefertigten Verzeichnis fest und entbanden so die Überbringer von ihrer Verantwortung. Nachdem die Exulanten ihre glückliche Ankunft in die teuere Heimat durch die Darbringung zahlreicher Opfer im heiligen Tempel gefeiert hatten, stellte sich Esra, dessen Ruf als Schriftkundiger und Eiferer für Gott und sein Gesetz nach Palästina bereits gedrungen war, den Satrapen des Königs Artaxerxes vor, überreichte ihnen die ihm ausgestellten Empfehlungs- und Vollmachtsschreiben und versicherte sich so ihrer Unterstützung für die Lösung der sich gestellten Aufgabe: Die Kenntnis des Gottesgesetzes unter den palästinäischen Juden zu verbreiten, um sie dadurch moralisch und sittlich zu heben. Obwohl Esra schon in Babylon über die im heiligen Lande eingerissene Gesetzlosigkeit und Sittenverderbnis Kunde erhalten hatte, so glaubte er doch noch immer, die zu ihm gedrungenen Klagen wären vielleicht übertrieben, nicht ganz der Wahrheit entsprechend. Als er sich aber persönlich von der Wirklichkeit der ihm berichteten unhaltbaren Zustände überzeugte, als er an Ort und Stelle von dem traurigen Schicksal der von ihren gewissenlosen Männern verlassenen jüdischen Frauen hörte und die Wahrnehmung machte, daß nicht bloß die besitzende Klasse und ihrem bösen Beispiel folgend die ungebildete Masse des Volkes allein, sondern auch ihre geistlichen Führer, ein großer Teil der gesetzeslehrenden Priester, eheliche Verbindungen mit den heidnischen Nachbarn eingegangen waren, geriet er außer Fassung, und heftiger Zorn und heiliger Eifer für Gott und sein heiliges Gesetz y Grätz gibt fünf Monate als Dauer der Reise an, was den Angaben Esras widerspricht.