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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1910-01-01
Page
Seite 54 (sequence 24)
Language
German
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54 vernachlässigten Agada, mit großem, vielleicht sogar mit allzugroßem Eifer gepflegt. Der Talmud galt als ein Meer, in dem nur Kundige mit Sicherheit schwimmen konnten. Jeder begabte Jude versuchte seinen Scharfsinn und fein Können an diesem Thema; man wollte stets etwas „Neues" sagen. Dies hat am meisten dazu beigetragen, das talmudische Studium in ein Chaos zu verwandeln, in dem so schwer Ordnung zu schaffen war. Die Wissenschaft des Judentums hat sich natürlich auch mit diesem spröden Stoff befaßt, und fast unzählige größere und kleinere Schriften sind der methodischen Behandlung der talmudischen Literatur gewidmet. Die Arbeit ist noch lange nicht vollständig, und wie es in der talmudischen Ausdrucksweise heißt: „Auch mir haben die Vorfahren Gelegenheit gelassen, an der Ruhm zu erwerben wäre". Man darf das natürlich nicht im buchstäblichen Sinn des Wortes ausfassen; denn dieser Zweig der Wissenschaft des Judentums findet noch immer nicht die gebührende Beachtung und noch weniger die richtige Anerkennung. Vorerst möchte ich das Unternehmen des Herrn N. Pereferkowitsch in Petersburg erwähnen: einen nach Handschriften und Erstdrucken herzustellenden korrekten Text des babylonischen Talmud herauszugeben. Diese Ausgabe soll auch handlich sein, worauf man früher so wenig Wert gelegt hat. In ältere Zeiten war eine Talmudausgabe umsobesser, je größer das Format war und je mehr Kommentare und Scholien sie aufzuweisen hatte. Pereferkowitsch hat für seine neue Ausgabe den gesamten wissenschaftlichen Apparat aufgeboten; in der Feststellung der Seitenzahl weicht es von der üblichen ab, aber es ist dafür ausreichend gesorgt, daß das- Nachschlagen von Zitaten nach der alten Paginierung leicht sei. Auf Einzelheiten dieser modernen Talmudausgabe, wenn ich mich zu ausdrücken darf, kann hier nicht eingegangen werden. Jedenfalls wird man diesem Unternehmen, von dem nur ein Anfang (Heft 1) vorliegt, gedeihlichen Fortgang wünschen. — Als ein „großes" Unternehmen, für das die hauptstädtische Tagespresse in

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