Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 15)
- Language
- German
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45 Christentums und von dessen Auseinandersetzung mit der Mutterreligion den geschichtlichen Tatsachen und der geschichtlichen Wahrheit viel näher als die mancher neuerer Theologen, die „besonnene" Kritik üben. Hausrath steht im wesentlichen aus dem Standpunkt der holländischen freisinnigen Schule, und von ihm zu Harnack ist zweifellos ein Rückschritt. Mit vielen seinen Berufsgenossen teilt er die mangelnde Beherrschung der jüdischen Geschichtsquellen; sie fließen ihm aus Übersetzungen, die noch dazu oft unzuverlässig sind, recht spärlich und trübe zu. — Lesenswert ist auch das Buch vou Arthur Drews: „Die Christusmythe", das nicht den Anspruch auf wissenschaftliche Forschung erhebt. Der Verfasser leugnet ganz die Geschichtlichkeit Jesu und sucht die evangelische Erzählung als eine verschiedenen Mythen nachgebildete Sage darzustellen. In manchem Punkte geht er zweifellos zu weit; die ältere evangelische Erzählung darf nicht von ihrem jüdischen Boden entfernt werden. Mit großer Objektivität und recht gründlich untersucht Johannes Frey iin I. Teil seines Buches: „Die Probleme der Leidensgeschichte Jesu" die Frage des unmöglichen Jesusprozesses vor dem Synedrion, um zum Ergebnis zu gelangen, daß das Johannesevangelium, das diesen Prozeß nicht kennt, sich in diesem Punkte eher der geschichtlichen Wahrheit nähert. Über die ersten Anfänge des Christentums, als es das Judentum noch nicht abgestreist hatte, handelt G. Hoenicke in seinem Buche „Das Judenchristentum im ersten und zweiten Jahrhundert". Mehr ans dem Gebiete der archäologischen Forschung, die aber auch religionsgeschichtlich von Bedeutung ist, bewegt sich die Untersuchung Hubert Grimmes: „Das israelitische Pfingstfest und der Plejadenkult"; sie bietet neben waghalsigen Hypothesen manche treffliche Bemerkung über die Entstehung und Entwicklung der altisraelitischen Feste. Mit prähistorischen Problemen des Judentums befassen sich „Zwei Aufsätze zur Religionsgeschichte Vorderasiens", (1. die Entwicklung der Jahureligion und der Mosessagen in Israel und Juda; 2. die Entwicklung des Gilgameschepos) von H. Schneider. Zu erwähnen wäre