Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 14)
- Language
- German
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44 Geschichtswerk sagen, daß es den höchsten Grad von Unbefangenheit erreicht hat, der vom protestantisch-theologischen Standpunkt überhaupt möglich ist. A. Bertholet behandelt in populärer Darstellung „Das religionsgeschichtliche Problem des Spätjudentums." Die Bezeichnung „Spätjudentum" ist das neueste Gepräge der in gewissen Kreisen heimisch gewordenen Ueberhebung. In englischer Sprache erschien eine wissenschaftliche Untersuchung über den Hintergrund der Evangelien oder des Judentums in der Periode zwischen dem Alten und dem Neuen Testament (The Background of the G-ospels or Judaism in the period between the Old und New Testaments) Von W. Fairweather. Von der messianischen Bewegung, die unter den Inden, in ganz anderer Form und hon ganz anderen religiösen Motiven ausgehend, um die Zeit der Entstehung des Christentum geherrscht hat, handelt die Schrift ..Be rnessianisme chez les juifs‘£ (von 150 v. Ehr. bis 200 nach Ehr.) von M. I. Lagrange; ferner A. Schulte: „Diemessianischen Weissagungen des Alten Testaments nebst dessen Typen übersetzt und kurz erklärt", natürlich vom christlich-gläubigen Standpunkt; E. Sellin: „Dieisraelitisch-jüdischeHeilandserwartungE hr eu h a u s: „Das Messiasbild des Micha." Die letzte Schrift Adolf Hausrath's, von der der 2. Band nach seinem am 2. August 1909 erfolgten Tode erschienen ist: „Jesus ' und die neutastamentlichen Schriftsteller," hat alle Vorzüge und alle Mängel der ersten geschichtlichen Werke dieses eigenartigen Gelehrten aufzuweisen. Ein umfangreiches Wissen, namentlich auf dem Gebiete der zeitgenössischen griechisch-römischen Literatur; glänzende, künstlerische Darstellung, die Lebendigkeit, mit der er die in den geschichtlichem Dramen mitwirkenden Personen porträtiert und die Ereignisse schildert: aber dabei eine weitgehende Subjektivität und eine bis zum blinden Haß sich steigernde Abneigung gegen das jüdische Volk und das Judentum, auch gegen jene hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten, die in der evangelischen Geschichte, oft ohne jede geschichtliche Berechtigung, feindselig behandelt werden. Trotz dieser Mängel aber ist Hausrath's Auffassung vom Wirken des