Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 13)
- Language
- German
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48 Liehliugsthese sogenannter „liberaler" Forscher, Jesus nicht von Juden, sondern von Arieren in Galiläa, wenigstens aber von einer „Mischraffe" abstammen zu lassen. Sehr ergötzlich persisffiert Harnack diese „wissenschaftliche " Methode („Sprüche und Reden Jesu" S. 3 s.): „Diese Misere zeigt sich vor allem bei denjenigen, die in Bezug auf die neutestamentliche Kritik aus zweiter Hand zu schöpfen gezwungen sind oder sich selbst zu dieser bescheidenen Haltung verurteilt haben. Sie sind wie die schwankenden Rohre zwischen den extremsten und sich ausschließenden Hypothesen und finden alles, was ihnen hier zugetragen wird, „sehr erwägenswert". Heute hat ihnen Jesus überhaupt nicht gelebt, während er gestern ein pathologischer Schwärmer war, was eben aus seinen ausgezeichneten überlieferten Worten, wenn man sie nur richtig versteht, schlagend hervorgeht. Morgen ist er ein Essener, gewesen, was ebenfalls aus seinen Worten zu erweisen ist; vorgestern aber war keines dieser Worte sein Eigentum; aber vielleicht noch am selben Tage war es auch richtig, daß er einer noch zu entdeckenden hellenistisch-geistigen Geheimsekte angehörte, die mit Sakramenten und Symbolen ein rückständiges Wesen, nein ein kulturförderliches Wesen trieb. Oder vielmehr er war ein anarchistischer Mönch wie Tolstoi, noch besser ein jüdischer Buddhist, aber mit sumerisch-babylonischpersisch-ägyptisch-hellenischem Einschlag, oder noch besser, er war der Heros eponymos des sonst revolutionären, gemäßigt radikalen vierten Standes in der Welthauptstadt." Und wenn sie sich in diesem Irrgarten völlig verlausen haben, dann ziehen sie gegen das jüdische Volk und gegen das „rückständige" Judentum los. Von den Schriften des letzten Jahres, die sich mit religionsgeschichtlichen Fragen und mit der Klärung der Beziehungen des Christentums zu der Mutterreligion beschäftigen, möchte ich erwähnen: Schürers grundlegendes Werk „Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi," das jetzt in 4. Auflage erschienen ist. Man kann über dieses in seiner Vollständigkeit und nach Objektivität strebenden Methode fast vereinzelt dastehendes