Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 7)
- Language
- German
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37 alles was die Juden zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern wissenschaftlich und künstlerisch hervorgebracht haben, zu sammeln und zu sichten, es literarhistorisch zu verwerten — dies ist eine Ausgabe, an der noch immer Männer von Begabung und Kenntnissen ersprießlich und erfolgreich arbeiten können. Auch die religiousgeschichtliche Entwicklung des Judentums in allen ihren Phasen enthält Probleme, welche denkende Köpfe beschäftigen müssen, und in die einzudringen es sich gewiß verlohnt. Die Fabel von der Vollendung der Wissenschaft des Judentums ist sinnlos; sie brmicht kaum widerlegt zu werden. An den jüdischen Gelehrten ist es, sie weiter auszubauen, und der Judenheit liegt die Pflicht ob, sie unablässig zu fördern. Nicht etwa, daß wir uns nach einer Art „Ghettowissenschaft" sehnten, von der wir andersgläubige oder ungläubige Forscher ausschließen möchten. Im Gegenteil, unser Streben muß dahin gehen, die Wissenschaft des Judentums zu einem Zweige der allgemeinen Wissenschaft zu machen. Aber solange unsere ältere Geschichte ein Tummelplatz theologischer, oder richtiger konfessioneller Polemik bleibt, und solange die jüdische Geschichte in den letzten fünfzehn Jahrhunderten von nichtjüdischen Historikern kaum beachtet wird; solange das nachbiblische Schrifttum der Juden zumeist zu den: Zweck oberflächlich dnrchblättert wird, um aus ihmLesefrüchte des „rabbinischen Aberwitzes" zu sammeln, und die hebräische Poesie des Mittelalters und die jüdische Religionsphilosophie in den landläufigen Kompendien mit einigen Sätzen abgetan werden —: müssen jüdische Gelehrte für die Gleichstellung der Wissenschaft des Judentums, wie sich Zunz ausdrückt, mit nicht minderem Eifer kämpfen als jüdische Politiker für die bürgerliche Gleichstellung unserer Glaubensgeineinschaft eintreten- Das soll uns natürlich nicht hindern, alles Gute und Brauchbare, das von anderer Seite geschaffen wird, parteilos anzuerkennen und mit Freude aufzunehmen. Von jeher gq.lt bei uns der Satz: „Nimm das Wahre von jedermann hin, der es ausspricht". Wir müssen uns des Grades von Unbefangenheit befleißigen,