Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 3)
- Language
- German
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33 achtung, die wir gewinnen, wenn wir alles geistige und ethische Schaffen unseres Stammes während seiner dreitausendjährigen Geschichte.kennen. Innerhalb eines Jahrhunderts hat der jüdische Stamm, dessen geistige Tätigkeit infolge der erlittenen Mißhandlungen gehemmt, dessen Geisteskraft aber niemals gelähmt war, einen in seiner Schnelligkeit beispiellosen kulturellen Aufschwung genommen. Das alte Kulturvolk steht im geistigen Leben auf derselben Höhe wie die bedeutendsten Kulturvölker der Gegenwart. In allen Zweigen des menschlichen Wissens und des geistigen Schaffens, in der Wissenschaft und in der Kunst, begegnen wir heutzutage hervorragenden Männern jüdischer Abstammung, die Bleibendes geschaffen haben. Auch die Erforschung des Judentums als wissenschaftliche Disziplin hat bedeutende jüdische Mitarbeiter aufzuweisen. In unserer Zeit hat man sich diesem Gegenstand mit großem Eifer zugewandt. An sich ist es eine erfreuliche Erscheinung, daß auch christliche Gelehrte, denen es vornehmlichum die Klärung der Geschichte des Christentums zu tun ist, sich mit der Geschichte des jüdischen Volkes und mit der religionsgeschichtlichen Entwicklung des Judentums eingehend beschäftigen. Emil Schürer hat seiner nach Objektivität strebenden „Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi" die Worte vorausgeschickt: „Aus dem Schoße des Judentums ist in der Fülle der Zeiten die christliche Religion entsprungen, zwar als eine Tatsache der göttlichen Offenbarung, aber doch durch unzählige Fäden mit der tausendjährigen Geschichte Israels verknüpft. Keine Tatsache der evangelischen Geschichte, kein Wort in der Verkündigung Jesu Christi ist denkbar ohne die Voraussetzung der jüdischen Geschichte und der ganzen Vorstellungswelt des jüdischen Volkes." Die letzten Worte Schürers habe ich besonders hervorgehoben, weil sie die Stellung der christlichen Forscher zu der Wissenschaft des Judentums in epi- 8