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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 27

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Rückblick auf das Jahr 5669
Date
1910-01-01
Page
Seite 27 (sequence 16)
Language
German
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27 übrigens nicht die Regierung allein; die nach Freiheit dürstenden edlen Polen in der Duma haben dazu wacker initgeholfen. Vor allem aber graut der Regierung vor der jüdischen Intelligenz. Man kann ihr daraus nicht einmal einen Vorwurf machen. Denn so lange sie die Juden zusammenpfercht, knechtet, ausschließt, mißhandelt, muß ja deren denkender Teil notwendiger Weise in die äußerste, ja in die gewalttätige Opposition gegen solche „Staatsordnung" gedrängt werden. So sucht man die Bildung unter den Juden möglichst einzuschränken. Einer jeden höheren Schule, Akademie, Universität wird ein bestimmter Prozentsatz vorgeschrieben, zu dem nur jüdische Schüler oder Hörer zugelassen werden dürfen: er wechselt zwischen drei und zehn aufs Hundert. Mit brutaler Gleichmacherei werden die glänzendste Begabung, das eifrigste Streben, der natürliche Beruf unterdrückt, sobald die Verhältniszahl der jüdischen Zöglinge erfüllt ist. Keine Bewerbung, keine Bitte um Zulassung, wenn auch noch so gerechtfertigt, findet Gehör. Der Minister der „Volksaufklärung" — Schwarz ist merkwürdiger Weise sein Name — hat bekannt gemacht, daß er keinem jüdischen Studenten in dieser Angelegenheit eine Audienz bewilligen werde. An einigen Hochschulen wurden diejenigen jüdischen Hörer, die in den letzten, duldsameren, Jahren über die jetzige Prozentzahl hatten eintreten können, wieder hinausgeworfen. An anderen dürfen auf Jahre hinaus keine Juden mehr zugelassen werden, bis der Prozentsatz wieder hergestellt ist. Wenn in einer Hochschule zu wenige Christen studieren, füllt man die Lücke nicht etwa durch Juden aus, sondern dann dürfen, dem Zahlenverhältnisse entsprechend, noch weniger Juden ausgenommen werden. Eine ganze Anzahl zurückgewiesener jüdischer Jünglinge trat des Scheines halber zum Islam über, dessen Bekenner keiner ähnlichen Beschränkung unterworfen sind — aber der Reichssenat entschied, daß den Juden wohl das Bekenntnis zum Islam frei stehe, aber kein Recht aus diesem Glaubenswechsel erwachse. Darauf ließen sich viele jüdische Lernbegierige taufen;

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