Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5669
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 9)
- Language
- German
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20 mens und der Herzegowina gegenüber lobte er, daß „ihre Glaubensgenossen stets ein Element der Ordnung gewesen seien, ein wertvoller Faktor des kulturellen und wirtschaftlich öffentlichen Lebens". Noch allgemeiner sprach der hohe Herr die Wertschätzung der Juden einer Abordnung der gesamten österreichischen Judenheit am 26. November 1908 aus, wobei er, neben der staatsuud kaisertreuen Gesinnung, besonders „ihren Familiensinn und ihre Freude am Wohltun" hervorhob. Solchen Worten entsprachen die Taten. Er ernannte einen Israeliten, Theodor Ritter von Taußig, zuni Gouverneur des hervorragendsten Kreditinstituts in Oesterreich, der Bodenkreditanstalt. Endlich ist auch die Beförderung von jüdischen Richtern wieder in Gang gekommen. Sechs von ihnen wurden in diesem September auf einmal zu Oberlandesgerichtsräten ernannt. Sie waren an der Reihe zu solchem Avancement, allein es ist schon anzuerkennen, wenn den verdienten jüdischen Beamten ihr Recht geschieht. Auch auf dem militärischen Gebiete, wo der Kaiser am unumschränktesten schaltet, bewährte er von neuem seine Vorurteilslosigkeit. Er verlieh dem zur Ruhe^ gesetzten Generalmajor Eduard Ritter von Schweitzer den Charakter als Feldmarschall-Leutnant (- Generalleutnant) — eine Rangstufe, die noch kein österreichischer Jude erlangt hat. Dabei ist der General ein glanbenstreuec Jude, der in voller Uniform, aber auch mit dem Tallis bekleidet, oft in der Synagoge betet, Mitglied der Budapester israelitischen Gemeinderepräsentanz und sogar Vorstandsmitglied der dortigen Chewra-Kadischa ist. Das sind Vorgänge und. Zustände, die im Deutschen Reiche leider zu den Unmöglichkeiten gehören. Man denke: ein Preußischer General, mit dem Tallis über der Uniform! Welches preußische Reserveleutnantsherz erfüllt sich bei solcher Vorstellung nicht mit Schauder!' Ein anderer israelitischer Offizier, Major von Bardach- Klumberg, ist der einzige noch vorhandeneJnhaber der großen goldenen Tapserkeitsmedaille in der ganzen österreichisch-ungarischenKavallerie. Möchten unsere antisemitischen Freunde nicht wieder über die echt jüdische Pulverscheu spotten?