Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5669
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 3)
- Language
- German
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14 keine Rede sein. Ein Antrag der Freisinnigen, den leistungsschwachen jüdischen Gemeinden von Staatswegen dauernde Beihilfen für die Besoldung ihrer Geistlichen und deren Familien zu gewähren, fand bei der Regierung lebhaften Widerspruch und im Abgeordnetenhause nur noch die Zustimmung der Nationalliberalen. Die Forderung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, dem Religionsunterricht in kleinen jüdischen Gemeinden auch dann eine staatliche Unterstützung zu gewähren, wenn die Zahl der jüdischen Volksschüler unter dem von der Regierung dafür geforderten Mindestmaß von zwölf bliebe, war eine so gerechte und in den Verhältnissen begründete, daß fast das gesamte Abgeordnetenhaus sich zu ihren Gunsten aussprach. Allein die Regierung blieb fest auf ihrem bisherigen verneinenden Standpunkte, mit Berufung auf die entsprechenden Bestimmungen für die christlichen Bekenntnifse — obwohl für diese sonst ganz andere, günstigere Bedingungen obwalten. Unter dem Scheine der Gleichheit werden so die Juden abermals schlechter behandelt, als diese großen christlichen Religionsgemeinschaften. Ebenso wurde der Anspruch der Juden, die jüdischen Geistlichen und Religionslehrer in gleichem Maße, wie die christlichen, behufs Erlangung einer angemessenen Gehaltsstufe in leistungsschwachen Gemeinden von Seiten des Staates zu bedenken, rundweg abgelehnt, trotz der lebhaften und eindringlichen Vorstellungen des Verbandes der deutschen Juden. Die preußischen Israeliten aber werden und dürfen sich durch diese augenblicklichen Mißerfolge nicht davon abhalten lassen, mit ihren gerechten Forderungen immer wieder an die Regierung und an die anderen gesetzgebenden Faktoren 'heranzutreten, bis sie den Sieg davon tragen. Wir haben schon so manchen Widerstand auf diesem Gebiete überwunden, und so werden wir unseren Kampf um so hartnäckiger sortsetzen, als wir Wahrheit und Recht auf unserer Seite wissen. Unsere Hauptgegner sind, kurz gesagt, das Beamtentum und die diesem nahestehenden Elemente. Das schroffe