Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5669
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
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- 13 — Die Juden haben sich auch für einen bedingungslosen Eintritt ihrer Söhne in das türkische Heer erklärt. Mit Zustimmung des Chacham-Baschi (Großrabbiners) Nahum haben sie auf jede besondere Forderung ritueller Art verzichtet, um nur dem Dienste des Vaterlandes keine Schwierigkeiten zu bereiten. Während das Gesetz über die Einstellung der Nicht-Mohammedaner in die Armee zwar eingebracht, aber noch nicht verabschiedet ist, haben die Kammern doch bereits die tatsächliche Einreihung derselben beschlossen. Von den Juden werden nunmehr 12000 ausgehoben werden, später, bei regelmäßig jährlicher Einstellung, werden es 4000 sein, das heißt ungefähr ein Prozent der jüdischen Bevölkerung des Reiches. Die Einreihung der Juden und Christen in das Herr ist die wichtigste Vorbedingung und Bürgschaft ihrer völligen staatsbürgerlichen Gleichstellung. Auch die persische Verfassung setzt wenigstens prinzipiell die Gleichberechtigung der Angehörigen aller Glaubensbekenntnisse fest. Hoffentlich läßt die tatsächliche Ausführung nicht allzulange auf sich warten. Während sich so im fernen Orient eine große und verheißende Umwälzung vollzieht, sind in unserem deutschen Vaterlande die Verhältnisse der Juden so ziemlich stationär verblieben. Der große liberal-konservative Block ist in die Brüche gegangen — aber es hat sich kaum etwas, sei es zum Schlimmeren sei es zum Besseren, verändert. Der bis vor kurzem in der preußischen Verwaltung und Gesetzgebung herrschende Grundsatz der absoluten Nichtbeachtung der israelitischen Religion ist abermals durchbrochen worden. Und zwar auf dem Gebiete der Fürsorge für die Strafgefangenen. Die Regierung hat mit Zustimmung des Landtages für die 80 bis 100 jüdischen Sträflinge in dem Gefängnisse von Plötzensee bei Berlin eine für diesen Zweck würdig gestaltete Synagoge errichtet, die im Herbst des Jahres 1908 in Gegenwart der Vertreter der Staatsbehörden feierlich eingeweiht wurde. Aber von einer durchgehenden Gleichstellung der jüdischen Religionsgemeinschaft mit den großen christlichen Kirchen kann in Preußen noch immer