Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Gustav Karpeles
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Wir wollen nicht verschweigen, daß die wenig bemittelten Vereine um ihre Existenz zu kämpfen haben, und es sei an dieser Stelle erlaubt, daran zu mahnen, daß ihre Erhaltung nur dann gesichert ist, wenn die großen Vereine eine gewisse Mitverpslichtung übernähmen. Dadurch würden sie das Andenken an Karpeles am schönsten ehren. Hat er doch selbst besonders den kleinen Vereinen viel Kraft und Zeit geopfert! Ohne Opfer geht es einmal in der Judenheit nicht an. Zwar hat Karpeles auch für die kleinen Vereine dauernd gesorgt durch das von ihm begründete „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur"; allein es darf doch nicht die einzige Quelle bleiben; das lebendige Wort ist gerade im Volke durch nichts zu ersetzen, der Durst nach Belehrung wird da nur gestillt durch die Macht der Rede. Ueberblicken wir die umfassende Lebensarbeit von Karpeles in Theorie und Praxis, so wüßten wir keinen zweiten zu nennen, der in unseren Tagen mit ihm zu vergleichen wäre in Hinsicht darauf, was er zur Hebung und Förderung des Gemeingefühls, zur Erweckung und Belehrung der Volksmassen geleistet hat, auch in Hinsicht darauf, wie er die verschiedenen Richtungen zu einem einheitlichen Vorgehen gewinnen konnte. Wer sonst hätte es zu Wege gebracht, die Vertreter der äußersten Rechten und der äußersten Linken zu einem freundnachbarlichen Zusammenwirken aneinander zu ketten! Vor uns ist hier sein liebes Bildnis aufgestellt; aus ihm steigt in dieser Stunde sein Geist zu uns hernieder und wiederholt uns seine ausschlaggebende Mahnung: Gesamtisrael ist eine Brüdergemeinde, die über den Parteien steht! Was aber hatte im letzten Grunde alle seine Errungenschaften ermöglicht? Es war seine Persönlichkeit, die Persönlichkeit eines jüdischen Weisen. Getreu dem Worte: ein Weiser, dessen Inneres nicht seinem Aeußeren entspricht, ist nicht als jüdischer Weiser zu betrachten, hatte Karpeles die Gesamtheit in sein Herz geschlossen. Wir haben von ihm nur Worte vernommen, die die