Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Gustav Karpeles
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Welt und im besonderen die jüdische Welt betrafen. Was sich in seinem Innern regte, das trat unverhüllt zu Tage; sein Leben war eine getreue Wiederspiegelung seiner Gedanken- und Gesühlskreise. Selbst sein eigenes Leid ließ er in dem allgemeinen Leid aufgehen, wofür uns seine „Zionsharfe" ein ergreifendes Denkmal bietet. Sonst verschloß er sein Persönliches in einem geheimen Schrein seines Herzens, und nur das, was die Welt von ihm zu fordern hatte, fand bei ihm einen lauten Widerhall. Still und bescheiden, gleichmäßig und standhaft, hilfsbereit und opferwillig, nur auf das Ganze das Auge gerichtet, so wandelte er die Bahn eines jüdischen Weisen, die noch verklärt war von dem weihevollen Glanze der jüdischen Poesie. Wie einst das Volk von Cäsarea klagte, als ihr geistiger Hirte Abbahu dahingegangen war: selbst die Säulen des Lehrhauses weinten um ihn! so können auch wir sagen: es weinen die Hallen der Literaturvereine, denn dahingegangen ist ihr geistiges Oberhaupt, ihr Führer und Berater, ihr Freund und Wohltäter, unser Gustav Karpeles, gesegnet sei sein Name heut und immerdar!