Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Gustav Karpeles
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Jude zu sein, erlösen. Die Harnack und Delitzsch gewannen einen großen Anhang unter den Gebildeten, die sich von ihnen zu dem Glauben bekehren ließen, daß das Judentum nur eine Vorstufe bilde zum Christentum. Auch die Mischehen nehmen überhand, die säst durchweg dem Judentum Abbruch tun. Was aber das jüdische Gemüt am meisten mit Betrübnis erfüllt, das ist die große Zahl der Indifferenten, die zwar keine Fahnenflucht begehen, die aber für Juden und Judentum jeden Sinn verloren haben. Allen diesen traurigen Erscheinungen setzte Karpeles seinen Glauben an das Judentum entgegen. Eine viertausendjährige Geschichte läßt sich nicht aus dem Buche der Menschheit streichen, aber auch ein Volk, das sich nur vergessen hat, kann wieder zur Selbstbesinnung gebracht werden, um seine Kräfte zu sammeln und für den weitern Weg zu ordnen. Der Glaube an das Judentum, an seine unversiegbare schöpferische Kraft, gab ihm die mächtigsten Impulse ein, um den Wankenden und Schwachen ein Selbstgefühl einzuflößen und ihnen Halt und Festigkeit zu verleihen. So erscheint er, was viel bedeuten will, als der würdige Nachfolger von Ludwig Philippson;, so wurde auch durch ihn die Zeitung des Judentums ein Banner, mn das sich die Erwachten und Willigen scharen konnten. Und auch das soll ihm nicht vergessen sein, daß sein rastloser Eifer, seine anspornende Rührigkeit die Besten und Edelsten aus unserer Mitte heranzog, die ihm einen Stab von treuen Mitarbeitern bildeten. III. Wo aber haben wir das Hauptverdienst von Karpeles zu suchen? Es ist eine längere Gedankenreihe, die wir durchlaufen müssen, ehe wir die Antwort in vollem Maße werden würdigen können. Was heute die Judenheit noch zusammenhält, das ist die Gemeinde. Ihre Institutionen kommen den mannigfachen Bedürfnissen des einzelnen entgegen, und