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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 6

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Gustav Karpeles
Date
1910-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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verschieden ist von dem Witz, der sich als „jüdischer Witz" auf Spezialitätenbühnen breit macht und uns wenig zur Ehre gereicht. Nur vorübergehend konnte ihm der Humor als Ventil dienen; auch ihn hat „zum Manne geschmiedet die allmächtige Zeit"; der Antisemitismus rüttelte ihn auf und rief ihn als Kämpfer auf die Schanzen. Die Waffen, die er sich im Kampfe mit einem engherzigen und erbitterten Feinde schuf, waren im modernen Geiste blank geschliffen. Nicht Rechthaberei gab ihm seine Worte ein, es war die Wahrhaftigkeit, die ihn antrieb, und wenn er sie beim Gegner nicht antraf, so verstand er es wie ein pflichttreuer Erzieher ihn zurechtzuweisen und eine gerechte Mahnung an ihn zu richten. Daher sein vornehmer Stil, das abgeklärte Kolorit seiner Auslassungen, die reine Sachlichkeit, der der Kampf nur dient, nicht gerade um den Gegner niederznwerfen, als vielmehr dem Rechte zum Siege zu verhelfen. Mitleid und Wehmut zeugten auch bei ihm von dem sogenannten Judenschmerz. Blickte er über die Grenzen hinaus nach Osten, wie da infolge der Ausschließung und Zurücksetzung Elend und verwahrloste Zustände ain Marke des Volkes zehren, so ergriff ihn ein namenloses Mitleid, und blickte er wiederum im eigenen Lande umher, so bemächtigte sich seiner eine tiefe Wehmut, wenn er die vielen Faktoren beobachtete, die einen Abfall vomJudentum bewirken. Die einen verwahren sich gegen den Vorwurf der Charakterlosigkeit mit der sonderbaren Ausflucht: da sie überhaupt jedem Glauben fern ständen, so sei es gleichgültig, ob sie den einen verleugnen und den andern bekennen müßten, die Taufe sei für sie nur eine Formalität. Andere beruhigen sich mit der Entschuldigung, daß die Taufe für sie eine Existenzfrage geworden ist, da sie als Bedingung gestellt wird, wenn man zu Amt und Würden gelangen will. Wieder andere scheuen sich nicht, uns zu erwidern: wir selber treten zwar nicht aus dem Judentum aus, aber unsere Kinder wollen wir von dem Fluch,

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