Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Gustav Karpeles
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Religionsgeschichte bezeichnet Geigers Schöpfung der jüdischen Theologie; sie bestimmt die Signatur der neuesten Epoche. Wenn auch nicht gerade dieser Schluß gezogen wird, wir legen doch mit dieser Erkenntnis das Werk von Karpeles aus der Hand, das uns als Orientierungstafel gedient hat, um aus der Vergangenheit den geraden Weg in die Gegenwart zu finden. II- Von der Theorie zur Praxis. Es war eine glückliche Fügung, daß Karpeles zum Leiter der Zeitung des. Judentums berufen wurde. Als das vornehmste Archiv der jüdischen Zeitgeschichte, bildet es ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Allerdings war es das am uneingeschränktesten, wo es sich um staatliche und soziale Interessen handelte; wo jedoch religiöse und - pädagogische in Frage kamen, da mußte es sich wohl zu einer bestimmten Partei bekennen. Diese war die reformistische. Immerhin wurden die Ziele der Reform mit solcher Mäßigung, mit solcher Schonung der entgegengesetzten Richtung vertreten, daß die Zeitung sogar als ein Band gelten konnte, das die gesamte Judenheit umfaßte und sie in historischer Entwickelung allmählich weiter brachte. In diesem Sinne hat der unvergeßliche Begründer Ludwig Philippson in seiner Zeitschrift gewirkt, und in gleichem Sinne hat sie Karpeles sortgeführt. Der Leiter eines führenden Blattes muß aber auch ein Kämpfer sein. War Philippson der rüstige und tapfere Streiter, zumal in der Zeit der Emanzipationskämpfe, so hatte Karpeles seiner schweigsamen Natur erst die Kampfeslust abzuringen. Bei aller Lebensfreudigkeit begleitete ihn doch ein fast elegischer Zug, und nur im Humor entlud er sich zuweilen gegen Anmaßung, Armseligkeit und Kleinlichkeit, in jenem Humor, der „unter Tränen lächelt", oder sagen wir in jenem echt jüdischen, treuherzigen, wohlwollenden, erziehlich wirkenden Humor, der wesentlich