Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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— 140 waren, also Wohl von ihren Renten lebten. Kleinbürger, Handwerker, Krämer u. s. w. werden unter den „judaizantes“ nicht erwähnt, waren also wohl sehr selten oder wegen ihrer Vermögenslosigkeit keine lohnende Beute. Ungelernte Arbeiter gab es unter ihnen erklärlicherweise überhaupt nicht, da dieselben damals und noch heute in Mexiko und Centralamerika sich fast ausschließlich aus den Indianern und Negern rekrutieren. Nach den erwähnten fünf kurz aufeinander folgenden Autodafes blieben noch 99 Verdächtige im Kerker zurück, denen man ihre Zugehörigkeit zum Judentums nicht Nachweisen konnte, obgleich ste stark verdächtig waren. Man zwang sie alle, ungesäumt Amerika zu verlassen, ja erwog ernsthaft den Vorschlag, sie vor ihrer Abreise mit einem glühenden Eisen zu kennzeichnen, damit man sie bei einer etwaigen Wiederkehr sofort erkenne. Dieser menschenfreundliche Vorschlag scheint allerdings nicht ausgeführt worden zu sein. Geschäftlich hatte die Inquisition beim Liquidieren der „großen Verschwörung" nicht schlecht abgeschnitten, denn sie hatte dabei Vermögen im Werte von drei Millionen Pesos konfisziert, so daß sie chren Beamten in Folge dieser glänzenden Einnahme eine ansehnliche Aufbesserung ihrer Gehälter konnte angedeihen lassen. Andererseits kam es bei der Abrechnung zu allerhand Unzuträglichkeiten und Klagen wegen Unterschleife. I. Medina, der in Folge seiner eingehenden Studien über die amerikanische Inquisition besser als irgend ein Zeitgenosse die Verhältnisse beurteilen kann, nennt daher die Glaubensrichter „Teilhaber eines großen geschäftlichen Unternehmens."59) Durch den Prozeß der „großen Verschwörung" war dem Judentum im neuspanischen Vizekönigreich der Lebensnerv durchschnitten, obgleich es nicht völlig verschwand, denn ab und zu wird auch in den folgenden Jahrzehnten von der Inquisition ein Marrane festgenommen und als verstockter Jude verbrannt. Dies geschah unter anderem mit drei Leidensgenoffen einem gewissen Franzisco Lopez, der von Beruf Böttcher war, aber als Heilkünstler viel Zulaus hatte, da er durch