Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115210--6753-3115372- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 138 — Der Neuen Welt Elias steigt zum Himmel, Des Märtyrs Geist fliegt auf zu Gottes Nähe, Indes ein sanftes, säuselndes Gewehe . Des Leibes Asche streut ins Volksgewimmel." Die Akten des Riesenprozesses der „Großen Verschwörung" und vor allem die genaue Personalbeschreibung der nach den spanischen Kerkern einzuliefernden Marranen, denen ein wahrer Steckbrief mitgegeben wurde, lassen uns einen Einblick in die Herkunft. Bildung und soziale Stellung der mexikanischen Juden am Beginn des 17. Jahrhunderts tun.56) Merkwürdig ist zunächst eine ärztliche Bescheinigung fast aller männlichen Verurteilten, daß die Beschneidung bei ihnen seit langer Zeit, wahrscheinlich bald nach der Geburt, vorgenommen sei. In keinem anderen amerikanischen Jnquisttionsprozeß sind derartige Atteste zu finden. Vermutlich sollten dieselben ein Milderungsgrund sein, da fie indirekt bewiesen, daß der Verurteilte im Judentum erzogen, und nicht etwa wie die ersten Mitglieder der Familie Carvajal erst in reiferen Jahren zu demselben übergetreten sei. Man ersieht ferner aus den Akten, daß etwa zwei Drittel der Männer in der alten Welt geboren waren, und zwar meist in Portugal. Einige waren aus den ebenfalls spanischen Philippinen zugewandert, fast ein Drittel, meist jüngere Leute, hatten das Licht der Welt bereits in Amerika erblickt. Ganz anders dagegen war das Heimatsverhältnis bei den Frauen, den Gattinnen oder Töchtern der verurteilten Marranen. Sie werden fast sämtlich als geborene Mexikanerinnen bezeichnet. Es ist dies nicht verwunderlich; denn noch heute sind die Mehrzahl der in die amerikanischen Republiken einwandernden Leute junge Männer, die sich erst später, und meist mit den Töchtern des Landes verheiraten, die ihrerseits oft den etwa abweichenden Glauben des Mannes annehmen. Da nun aber weißblütige Frauen in Mexiko selten waren, so ist es auch nicht zu verwundern, daß unter den verurteilten Frauen sich verschiedene Farbige befanden. Es war dies eine Mulattin Esperanza Rodriguez, Witwe eines Deutschen namens Juan Bautista del Bosque.5?) Das Schicksal der Mutter teilte ihre Tochter *