Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 42)
- Language
- German
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— 136 ~ Hälfte der Eingekerkerten behaupteten, mittellos zu sein, wurde der Bevölkerung bei Androhung des Bannes befohlen, die Güter der Marranen anzugeben,-damit sie von der Inquisition konfisziert werden konnten. Später klagte die Inquisition, daß durch die Verstocktheit der Verhafteten der Prozeß sich ungebührlich in die Länge zöge und der Unterhalt der Verdächtigen zu große Kosten verschlänge. Denn fast täglich fanden neue Verhaftungen statt, und zwar von den angesehendsten Persönlichkeiten des Landes. Schließlich gelang es den Richtern, ein junges Mädchen, Clara de Rivera, derartig einzuschüchtern, daß sie angab. ihre Mutter und Schwester hätten ein Christusbild verhöhnt. Unter den Qualen der Folter gaben beide Frauen ihre Gotteslästerung zu, Loch nahm sich bald darauf durch fteiwillige Nahrungsenthaltung die Mutter Marriana de Rivas das Leben und erklärte kurz vor ihrem Tode, daß sie und ihre Tochter ein falsches Geständnis abgelegt hätten. Jedenfalls war durch diese Erklärungen das Eis gebrochen und der Prozeß wurde in fünf Autodafes erledigt, die am 16. April 1646, 23. Januar 1647, am 29.März und 30.Mai1648 und schließlich am 11.April1649 stattfanden. Das letztere wurde mit ganz besonderem Pompe gefeiert, und eigens zu diesem Zwecke auf dem Platze „El Volador", d. h. „der Flieger", ein Amphietheater für 16000 Zuschauer erbaut. Im Ganzen wurden in Folge der „Großen Verschwörung" 14 Personen als verstockte Juden lebendig und 80 Leichname im Kerker Gestorbener verbrannt. Achtzehn Flüchtlinge wurden im Bilde dem Scheiterhaufen übergeben und 162 Männer, Frauen und Kinder bestraft, meist mit lebenslänglichem, in Spanien abzubüßenden Kerker. Geißelungen, Einziehung des Vermögens u. s. w. gingen diesen Strafen voran. Es würde zu weit führen, alle diese Opfer namentlich zu erwähnen. Es soll unter den den Flammen übergebenen nur Ana Leon de Carvajal y Rodriguez, die letzte Tochter des Rabbiners Matos-Rodriguez. welche in der Stadt Medina lebte, erwähnt werden. Sie war im Moment ihrer Hinrichtung 66 Jahre alt und wurde.