Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 40)
- Language
- German
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— 134 — Akten des vorher sehr armen Tribunales von Neu Granada beweisen, brachte der Inquisition von Cartagena de las Jndias das erste nach der Sperre stattgefundene Autodafe vierhunderttausend Goldgulden bare Einnahmen. Da sich die Neu Granadiner Glaubensrichter ganz besonders schlecht mit den Bischöfen des Landes zu stehen pflegten, so wird ihnen von letzteren mehr als einmal ihre Geldgier vorgeworfen; auch der Statthalter in Buenos Aires läßt diese Behauptung in feinen Klagen gegen das Glaubensgericht am La Plata durchklingen,und daß es in Mexiko nicht anders war, wird der Leser bald erfahren. Es wäre ein großer Irrtum anzunehmen, daß nach 1605 die Juden in den kasManischen Kolonien so etwas wie eine gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaft bildeten. Offiziell war jede andere Religion wie die katholische verboten, aber man drückte kräftig beide Augen zu und ließ Hebräer wie Marranen, wenn sie nicht gar zu öffentlich ihre Konfession bekannten, nach ihrer Fayon selig werden. In dem auf 1605 folgenden Menschenalter hören wir daher fast nichts von Judenverfolgungen im Vizekönigreiche Neu Spanien. Ab und zu fand einmal ein Autillo statt, in dem einige Verdächtige ganz unbedeutend bestraft wurden oder Jorge de Almeida, ein Schwiegersohn von Franzisco Rodriguez Matos, in effigie verbrannt wurde. Die Glaubensrichter klagten bitterlich: „Die übrigen Hebräer sind dank der Gnade, die man den jüdischen Portugiesen erwiesen hat. straffrei davongekommen. Wir sehen sie in dieses Königreich (Mexiko) zurückkommen, wo sie reiten und Waffen tragen."^) Zum mindesten wollte das Glaubensgericht in Neu Spanien, ebenso wie das in einem späteren Kapitel zu erwähnende von Buenos Aires, das Landen von Israeliten verhindern, und beanspruchte daher das Recht, in Veracruz das Gepäck der Einwanderer nach hebräischen Bibeln, Büchern u. s. w. untersuchen zu dürfen, um die verdächtigen Personen als unerwünschtes Element auszuschließen. Die Inquisitoren stießen aber auf den energischen Widerspruch der Vizekönige, welche behaup-