Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 38)
- Language
- German
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— 132 — schiedenen Orten hochentwickelte, den Verhältnissen gut angepaßte Kulturen zertreten. Die Indianer schwanden wie die Fliegen im Herbste dahin, und die Ueberlebenden zogen es vor, im Elend zu verkommen, statt ihren Bezwingern durch ihre Geschicklichkeit und Kenntnisse nützlich zu sein. Die zu ihrem Ersatz eingeführten Negersklaven konnten nur Arbeitskraft ersetzen. Die einwandernden Spanier bildeten in den Kolonien die Kaste des Beamten- und Kriegsadels, die Geistlichkeit und die Großgrundbefitzer, aber es fehlte zur Entwicklung der Kolonien an kaufmännisch und technisch geschulten Kräften. Es ist in den Jnquisitionsakten häufig von jüdischen ^minsros", das heißt Bergleuten, die Rede, so daß wohl hier neben Technikern und Bergwerksbesitzern auch jüdische Arbeiter in den Minen tätig waren. Die Spanier sind nun aber meist außerordentlich ungeschickte Verwalter, Organisatoren und Handelsherren gewesen, so daß ihnen die in dieser Beziehung besonders befähigten Juden und Marranen als Helfer in der Not erschienen, durch chre Tatkraft und Unternehmungslust die Kolonien lebensfähig und ertragreich zu machen.^) Aus den Prozeßakten der Jnquifitionstribunale in den Vizekönigreichen können wir unschwer seststellen, daß die große Mehrzahl der verhafteten Marranen Großkaufleute, Bergwerkbesitzer, Aerzte u. s. w. waren, also gerade zu den Elementen gehörten, die das wirtschaftliche Leben in den Kolonien beftuchten konnten. Wenn sich daher die aus Amerika an den Kolonialrat gerichteten Gesuche um mildere Behandlung der Hebräer aus ökonomischen Gründen erklären läßt, so ist es doch merkwürdig, daß der damalige König Philipp III. (1598—1621) zu diesen Vorschlägen sein Einverständnis gab. Er war zwar weniger energisch und intelligent als sein Vater Philipp II., aber ebenso fanatisch und bigott, ja er vertrieb die letzten Mauren von der pyrenäischen Halbinsel und raubte seinem Lande die fleißigsten Ackerbauer und geschicktesten Handwerker, die selbst sein Vater aus Nützlichkeitsgründen geschont hatte. Allerdings befand sich Philipp III. stets in großen Finanznöten, und so mag die Aussicht aus steigende Einkünfte aus