Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 37)
- Language
- German
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— 131 — die Akten. Als er aber sah, daß ihm dies nicht viel nützte, kroch er zu Kreuze, beklagte jämmerlich seinen Irrglauben und versprach, daß — wenn man ihn freiließ — er als frommer Katholik nach Italien zurückkehren und das gesammelte Geld treulich abliefern würde. So leichten Kaufes kam er aber nicht davon. Immerhin wurde er nicht wie üblich als Rückfälliger zum Tode verurteilt, ja er brauchte beim Autodafe nicht einmal den die Hebräer charakteriesierenden papierenen Schweif und die mit Teufelsfratzen bemalte Mütze tragen. Die Chroniken berichten: „Man hatte allgemeines Mitleid mit ihm, denn er hatte, wie die Inquisitoren meldeten, mit viel Inbrunst die Taufe erbeten. Aber da er ein so gelehrter Mann war, fürchtete man großen Schaden, wenn man ihn in Freiheit gelassen hätte." Diego Diaz war aber doch ein Pechvogel, denn hätte er seinen Prozeß nur wenige Wochen in die Länge ziehen können, so wäre er zweifelsohne den Glaubensrichtern entschlüpft. Bald nach seiner Verurtellung traf ein vom 16. April 1605 datiertes und vom Papst und König aprobiertes Sendschreiben des Kolonialamtes in der Neuen Welt ein. das den Inquisitoren befahl, alle des Judentums Verdächtigen frei zu lassen und in Zukunft derartigen Anklagen nicht weiter Folge zu leisten.50) Wenn man den Geist des Zeitalters und besonders der spanischen Monarchie in Betracht zieht, so kann man sich über ein derartiges Toleranzedikt nicht genug wundern, und es müssen sicher schwerwiegende Gründe Vorgelegen haben, um überhaupt einen derartigen Beschluß zu ermöglichen. Eine beträchtliche Anzahl angesehener Personen von unzweifelhafter Rechtgläubigkeit und Kenner der Verhältnisse in den „indianischen Besitzungen" waren dringend wegen des Verbotes oder wenigstens der Milderung der Judenverfolgungen in den Kolonien eingekommen. Der Grund war nicht etwa ein plötzlich erwachtes Toleranzgefühl, sondern zwingende wirtschaftliche Interessen. In wenigen Jahrzehnten hatten die Spanier durch tollkühne, aber meist rohe und unwissende Führer5I) einen beträchtlichen Teil Amerikas erobert, und dabei an vers»