Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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— 180 — Enriquez bestraft, weil sie ein allerdings recht unreligiöses Spottlied folgenden Inhalts gesungen haben sollte:^) „Seht an die heil'ge Barbara, Die auf Erden eine Jungfrau war. Als Stern jetzt strahlt sie am Himmelszelt. Habt acht, daß sie nicht auf den Kopf euch fällt. Auch vor dem Kreuz ihr euch hüten müßt, An dem gehangen Herr Jesu Christ!" Daß der Vater dieser taktlosen Daine Manuel Luce seinerzeit als verstockter Jude verbrannt worden war, diente ihr begreiflicherweise nicht gerade als Empfehlung, und so wurde sie denn trotz ihrer „aufrichtigen Reue" ihres Vermögens verlustig erklärt und vor allem Volke ausgepeitscht, nr^rronLblsmsnts" pflegen in derartigen Fällen die Akten zu berichten; wieviel Peitschenhiebe die Henker für rationell betrachteten, ist leider nicht mehr zu erkunden. Vier Jahre später fand in der mexikanischen Kathedrale ein privates Autodafe statt, in welchem eine Art Hochstapler zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde, mit dem strengen Verbote, jemals mit einem anderen Menschen als mit seinem Beichtvater ein Wort zu sprechen, denn er scheint ein ganz gefährliches Mundwerk besessen zu haben. Dieser Mann hieß Diego Diaz Nieto,^) stammte aus Ferrara in Italien und wurde dort als des Judentums verdächtig von der Inquisition verhaftet. Er verstand aber derartig glänzend seine Rechtgläubigkeit zu beweisen, daß er nicht nur freigesprochen wurde, sondern auch kraft einer Bulle des Papstes Clemens VII. und einer besonderen Erlaubnis des spanischen Monarchen die Erlaubnis erhielt, sich nach dem Vizekönigreich Neu-Spanien zu begeben, um dort Almosen — vermutlich für einen kirchlichen Zweck — zu sammeln. In der Neuen Welt, wo er sich durch seine Empfehlungsschreiben genügend gedeckt glaubte, begann er sich von Neuem dem Judentum zuzuwenden, was ihn andererseits nicht hinderte, fsir die Kirche Geld zu sammeln. Aber auch in Mexiko gab es eifrige Inquisitoren. Flugs faßte man Diego Diaz und setzte ihn fest. Im Anfang begann er derartig zu diskutieren, daß „die gelehrtesten Personen verwirrt wurden", berichten