Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 35)
- Language
- German
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—129 — Erbauung und Befriedigung aller Beteiligten" programmmäßig abwickelte. Daß die Opfer fast durchweg den gebildeten, ja den gelehrten Ständen angehörten, geht aus der Bemerkung des Chronisten hervor, der als besonderen Reiz und Nervenkitzel dieses Glaubensfestes hinzufügte: „Nur dies eine sage ich noch, daß jeder einzelne dieser verstockten Juden Rabbiner in einer Synagoge hätte sein können." Auch der ehemalige Gouverneur von Neu-Leon erlitt den Märtyrertod. Es ist aber nicht genau ersichtlich, bei welchem Autodafe; vermutlich ist seine Hinrichtung in Anbetracht seiner angesehenen ehemaligen «Stellung in einem sogenannten Autillo, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, vollstreckt worden. Wenn aber die Inquisition geglaubt hatte, daß sie mit diesen radikalen Mitteln das Unkraut in ihrem Rosengärtchen ausgerottet habe, so irrte sie sich, und ganz besonders tauchen immer wieder Mitglieder der Familien Carvajal, Rodriguez und Morales als Träger und Fortpslanzer des Judentums in Mexiko auf. Schon im nächsten Glaubensfeste, das am 25. März 1601 stattfand, wurde neben einem holländischen Israeliten namens Tomas de Fonseca Castellanos eine unverehelichte 29 jährige Tochter des Rabbiners Rodriguez Matos namens Marianna verbrannt; zwölf Männer, die sich geflüchtet hatten, wurden in effigie den Flammen übergeben. Zu lebenslänglichem Kerker wurden als -juciaizantes“ zehn Personen verurteilt, unter ihnen befand sich die 17 jährige Schwester der Marianne Rodriguez Matos und ihre 14 jährige Base Leonora, die Schwester Luis Almeida y Carvajal. Das ganze Verbrechen dieses Kindes bestand darin, daß sie ihrem im Kerker befindlichen Bruder hebräische Lieder vorgesungen und seinen aus der Bibel geschöpften Erzählungen gelauscht hatte. Als zwei Jahre später wiederum ein Autodafe stattfand, übergab man unter anderem den Leib eines im Kerker gestorbenen Maises Rodriguez den Flammen, während ein Namensvetter mit dem Beinamen de Campos seinen Irrglauben bereute und mit einem blauen Auge davon kam. Zur gleichen Zeit wurde eine Frau Clara 9