Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115210--6742-3115361- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 127 — Die Familien Carvajal und Rodriguez wußten wohl, was ihnen bevorstand, wenn sie noch einmal die geringste Hinneigung zum Judentum merken ließen. Trotzdem kehrten sie aber zu demselben zurück, und als die Inquisition sie vom Neuen ausgriff, weigerten sie sich trotz aller Folterqualen zu widerrufen. Die schon bejahrte Witwe Francisca Carvajal de Rodriguez Matos erklärte, daß ihr verstorbener Gatte und der geflüchtete Doktor Morales sie der Lehre Moses zugeführt hätten, daß sie dem alleinigen Gotte ihre Seele empfehle und gern ihm zu Ehren wie die Mutter in den Makkabäerbüchern alle Marter auf sich nehme. Einer ihrer Neffen, der junge Luis Almeida y Carvajal, hatte im Kerker eine Vision und nannte sich seit dieser Zeit „Jose Lumbroso", „Josef der Erleuchtete". Er erzählte, daß ihm eines Nachts der König Salomo erschienen wäre und ihm aus einem Kruge einen Löffel voll einer wunderbaren Flüssigkeit gereicht hätte, die ihn empfindungslos gegen alle Tortur gemacht habe. Die Akten berichten: „Durch diesen Traum blieb er getrosten Mutes, denn er legte ihn so aus, daß derselbe ihm den Willen Gottes angezeigt habe, er solle nämlich in der Beobachtung des mosaischen Gesetzes und der heiligen Schrift ausharren." Außer diesem Jüngling erlitten den Tod seine Mutter Leonora Carvajal de Almeida und mit der Witwe des Rabbiners Rodriguez deren Töchter Isabel Rodriguez de Andrade und Catalina Rodriguez de Lena y de la Cueva. Was mögen diese armen "Frauen für körperliche und geistige Leiden ausgestanden haben, ehe der Scheiterhaufen ihren Leiden ein Ende bereitete! Mit ihnen zusammen wurden drei Männer als gesetzestreue Juden verbrannt, Manuel Diaz, Manuel de Lucena, Diego Enriquez, sowie des letzteren Mutter Beatriz, Witwe eines Mexikaners Simon Enriquez Peina. Beizeiten hatten sich geflüchtet der junge Rabbiner Manuel Rodriguez Matos, sowie zwei andere Männer, die beide auf den Namen Antonio Lopez hörten. Einer führte den Beinamen Morales, stammte also wohl mütterlicherseits von dem Gesetzeslehrer und Arzt, der schon erwähnt wurde. Andere Geflüchtete waren